# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 49 und des hiſtoriſchen Wiſſens ſtehen, wie angedeutet, nicht im Gegenſatze zu einander, ſind aber doch ihrer Art nach getrennt. Der Hiſtoriker kann von dem eigentlich Religiöſen abſtrahiren. Er hat nur die Ideen zu erforſchen, welche durch ihre Macht die allgemeinen Bewegungen veranlaſſen und ihre Strömung beherrſchen, und an die Thatſachen zu erinnern, in denen ſie ſich manifeſtirt.“ Dann ſchildert er auf einigen Seiten, daß JEſus „über das particulare Gemeinweſen der Juden hinaus der Menſchheit eine allgemeine Vereinigung rein geiſtiger Art in Ausſicht ſtellt“, daß er „behauptete, der Meſſias zu ſein, und eine unmittelbare göttliche Miſſion im Leben und ſelbſt nach ſeinem Tode dafür in Anſpruch nahm“. Dafür „verurtheilte ihn das Synedrium“ und brachte den Pilatus zum Vollzuge des Urtheils. „Das fleckenloſeſte, tiefſinnigſte, menſchenfreundlichſte Weſen“, heißt es dann, „das je auf Erden erſchienen war, fand keinen Platz in der damaligen Welt. Jeſus hatte ſeinen Tod mit voller Beſtimmtheit kommen ſehen, aber er wußte, daß ſeine Lehre damit gekräftigt und gerettet werde.“ Von der Auferſtehung Chriſti keine Silbe! „Ich vermeide, wie berührt, auf das Geheimniß einzugehen.“ „Aber“, ſagt er, „wer hätte nicht meinen ſollen, daß mit dem Meiſter, deſſen Jünger ſich oft ſehr ſchwach und zweifelhaft erwieſen hatten, auch die Lehre vertilgt ſein werde? Allein der Tod ſelbſt und die Erſcheinungen, die ihn begleiteten und ihm folgten, von deren Realität ſie ſo feſt überzeugt waren, wie von irgend etwas, das man mit Augen geſehen und mit Händen betaſtet hat, erhoben ihre Seele zu einer Freudigkeit, die ſie bisher nie beſeſſen. Aus Jüngern wurden ſie ſelbſt Lehrer der Welt, Apoſtel des Meiſters, den ſie, ſeinen eigenen Erklärungen folgend, als Gottheit verkündeten.“ Mit andern Worten: Ranke meint, geradezu zu ſagen, JEſus iſt von den Todten auferſtanden, das ziemt ſich für einen Hiſtoriker nicht, ſelbſt wenn er es für ſeine Perſon glaubt; aber das dürfe und müſſe der Hiſtoriker ſagen: Es iſt ausgemacht, daß die Jünger JEſu Auferſtehung glaubten; die waren überzeugt, er iſt auferſtanden. Denn ohne dieſen Glauben ihrerſeits ließe es ſich ſchlechterdings nicht ver⸗ ſtehen, wie das Chriſtenthum ſolche Verbreitung gewonnen habe. Ranke leugnet alſo nicht Chriſti Auferſtehung, aber er bekennt ſie auch nicht als hiſtoriſche Thatſache. Das iſt ein jammervolles, trauriges Ding und be⸗ weiſt recht, wie groß die Macht der Finſterniß iſt. Ich möchte wiſſen, wie viele von den Begebenheiten, die Ranke als Thatſachen hinſtellt und von denen er Jahr und Tag anzugeben weiß, auch nur annähernd ſo gut und unverdächtig bezeugt ſind, wie die Thatſache der Auferſtehung JEſu Chriſti von den Todten. Der ſelige Dr. Walther hat einmal mir gegenüber, als wir von Rankes vielgerühmter Geſchichte der Päbſte redeten, mit großem Ernſt einen Ausſpruch gethan, von dem ich will, daß er nicht unbekannt bleibe; er ſagte nämlich: „Wer den Pabſt nicht für den Antichriſt hält, kann keine Geſchichte der Päbſte ſchreiben, und wenn er ein Ranke iſt.“