# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1847 06 01_S111 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Borgen aber wiedernimmt, wenn es kommt, und doch waget, daß ein Geben ſei. Denn wer alſo leihet, daß ers beſſer oder mehr wieder nehmen will, das iſt ein öffentlicher, und ver— dammter Wucher; ſintemal die auch noch nicht chriſtlich handeln, die alſo borgen, daß ſie wie— derum daſſelbe fordern oder hoffen und nicht frei dahin wagen, ob's wieder kommt oder nicht.—So wäre nun Borgen ein fein Ding, wo es unter den Chriſten geſchähe; da würde ein jeglicher gerne wiedergeben, was er geborgt hätte, würde es gerne entbehren, wo es jener nicht könnte wiedergeben. Denn die Chriſten ſind Brüder, und einer läßt den andern nicht; ſo iſt auch keiner ſo faul und unverſchämt, daß er ohne Arbeit ſich auf des andern Gut und Arbeit verlaſſen und zehren wolle mit Müſſig— gang von eines andern Habe. Aber wo nicht Chriſten ſind, da ſoll die weltliche Ordnung treiben, daß er bezaͤhle, was er geborgt hat; treibt ſie uicht und iſt ſäumig, ſoll der Chriſt leiden ſolchen Raub, wie Paulus ſpricht 1 Cor. 6, 7.: Warum leidet ihr nicht vielmehr Un- recht? Den Unchriſten aber laß man mahnen, fordern und thun, wie er will, es lieget au ihm nichts, weil er ein Unchriſt iſt, und achtet Chriſti Lehre nicht. Auch haſt du noch ein Tröſtlein, daß du nicht ſchuldig biſt zu leihen, denn allein das dir übrig iſt, und zu deiner Nothdurft kannſt entbehren; wie Chriſtus vom Almoſen ſpricht Luc. 11. 41. Was euch übrig iſt, das gebt zu Almoſen, ſo iſt euch alles rein. Wenn nun von dir wollte ſo viel geborgt werden, daß, wo es nicht wieder würde gegeben, du verder— ben müßteſt, und deine Nothdurft dies nicht entbehren könnte, da biſt du nicht ſchuldig zu leihen: Denn du biſt am meiſten und erſten ſchuldig, deinem Weib und Kind und Geſind die Nothdurft zu ſchaffen und mußt ihnen daſ⸗ ſelbe nicht entwenden, das ihnen von dir ge— bührt. Darum iſt das die beſte Regel: Wo dir das Borgen will zu groß ſein, daß du ebenſo mehr etwas gebe ſt umſonſt, oder ſoviel leiheſt, daß du geben wollteſt, und wagen, ob's verloren ſein müſſe. Denn Johannes der Täu— fer ſagt nicht: Wer einen Rock hat, der gebe denſelben weg, ſondern: Wer zween Röcke hat, der gebe einen dem, der keinen hat, und wer Speiſe hat, der thue auch alſo. Luc. 3, 11.“ p. 1104—7. 88 Der Geſinde⸗Teufel. Magiſter Peter Glaſer, Prediger zu Dresdeu, ſchrieb im 17. Jahrhundert einen Tractat, „der Geſinde-Teufel“ mit Namen. „Nicht Einer,“ rief darauf Dr. Schuppius aus, „nicht Einer, ſieben Teufel ſinds, die die Knechte und Mägde heutiges Tages regieren und verführen.“ „Der erſte Teufel, ſagt er, bildet dem ge— meinen Volke die Süßigkeit und Lieblichkeit des Müſſiggangs und der Freiheit. Er bildet ihnen ein, ein köſtlich Ding ſei es, daß Einer daheim ſitzen und die Hände in den Schoos le— gen könne; daß er dürfe ſchlafen gehen, wenn er wolle. Er malt ihnen die Herrlichkeit vor, wenn Einer Niemanden dürfe unterthan ſein, 111 wenn er dürfe gehen, wohin er wolle. Daher kommt es, daß manche Magd ihrer Frau nicht ein gut Wort gibt, ſondern wird ſtolz, hoffär— tig, wie die Hagar. Und wenn ihr die Frau viel ſagen will, ſo geht ſie davon, miethet ein eigen Stüblein, wird eine Wäſcherin oder Näh— terin, aus einer Nähterin —eine Amme.“ „Wenn nun die Obrigkeit oder die Eltern dem erſten Teufel widerſtehen und ihre Unter⸗ thanen und Kinder zwingen, daß ſie dienen müſſen, ſo kommt der zweite Teufel und überredet ſie, daß ſie nicht frommen und gottes— fürchtigen, ſondern vielmehr gottloſen Herren chrig wielmebra 0 Hagar, Saras Magd, wo kommſt du her dienen ſollen; denn bei den gottloſen haben ſie mehr Lohn, mehr Trinkgeld, beſſer Eſſen und Trinken, da halte man immer Gaſtereien, da gebe es gute Compagnieen von Manns⸗ und Weibsperſonen, da gehe alles luſtig her, da tanze man, da ſinge man, da ſpringe man, da fahre man ſpazieren, da dürfe man thun und reden, was man wolle. Aber bei den frommen ſei es gar zu ſtille, da müſſe man ſich eingezo— gen halten in Worten und Werken, da müſſe man immer auf den Sonntag zu Hauſe blei— ben, da dürfe man zu keiner luſtigen Compag⸗ nie gehen, da ſolle man ſagen, was man in der Predigt behalten habe; Summa, da ſei ein recht mönchiſch und nonniſch Leben.“ „Wenn nun Knechte und Mägde ſich auch entſchließen, frommen Herren zu dienen, da kommt der dritte Teufel und macht ihnen dieſen Dienſt zuwider. Da ſchickt der Teufel etwa ein altes Weib und läßt ſagen: „Was willſt du denn da machen? ich weiß einen beſſern Dienſt für dich.“ Da wird das Geſinde be— wogen, ihre verſprochenen Dienſte wieder auf— zukündigen, ſchicken Herren und Frauen das Geld wieder, das ſie auf die Hand genommen, ziehen an andere Orte oder ſtellen ſich, als ob ſie krank ſeien und bleiben eine zeitlang daheim, bis aus dringender Noth Herren oder Frauen müſſen anderes Geſinde miethen, ſo gehen ſie dann wieder hervor und ſind friſch und geſund.“ „Wenn Knechte und Mägzde ihre Dienſte angetragen haben und ſehen, daß ſie nicht beſ— ſer Gelegenheit haben, als zuvor, daß ſie nicht ſo gute Tage haben, als ſie ſich eingebildet hat— ten, ſondern daß Herren und Frauen eben ſo— wohl, denn die vorigen, verlangen, daß man um den Lohn arbeiten ſollte, ſo kommt der vierte Teufel und überredet ſie, daß ſie da— von laufen, oder ſich alſo betragen ſollen, daß Herr und Frau ſelbſt geuöthigt werden, ihnen den Abſchied wieder zu geben. Wenn die Ar— beit am allernöthigſten iſt, und man der Knechte und Mägde am allerwenigſten entbehren kann, ſo ſind ſie am allermuthwilligſten, thun und laſſen, was ſie wollen. Wenn es dann der Herr nicht leiden will, ſondern ein Wort dazu redet, ſo ſetzen ſie ihm alsbald den Stuhl vor die Thür und ſagen: „Gebt mir meinen Lohn!“ „Nimmt ſich das Geſinde aber auch vor, die Dienſtzeit auszuhalten, ſo kommt der fünfte Teufel und bewegt ſie, daß ſie ihren Dienſt nicht thun, was ſie ſchuldig ſind, der Teufel regiert ſie, daß ſie oft Herren und Frauen nicht ein gut Wort geben, fragt man ſie etwas, ſo ant— worten ſie mit ſchnurrenden, knurrenden, höh— niſchen, ſchnippiſchen Worten auch oft in Ge⸗ genwart ehrlicher Leute und Gäſte und ſchämen ſich weder vor Gott noch vor der Welt. Straft man ihre Unart, ſo widerbellen ſie und wollen das letzte Wort haben. Mancher loſe Sack iſt ſo böslich, daß, wenn ſie ihr Müthlein nicht anders kühlen kann, ſo kühlet ſie es an den Kindern, ſtößt und ſchlägt dieſelben heimlich. St. Paulus ſagt: „Ihr Knechte, ſeid unter— than den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, ſondern auch den wunderlichen.“ Da Hagar von ihrer Frau, der Sara, gezüchtigt wurde, da ſagte der Engel des HErrn zu ihr: und wo geheſt du hin?“ Sie ſprach: „Ich bin von meiner Frau Sara geflohen.“ Und der Engel des HErrn ſprach zu ihr: Kehre wieder zu deiner Frauen und demüthige dich unter ihre Hand! Aber dies hört nicht, wer beſeſſen iſt von dem fünften Teufel.“ „Dann kommt der ſechste und überredet das Geſinde, wenn ſie ein Jahr gedient, ſollen ſie weiter fort; und endlich der ſiebente, und bewegt das Geſinde, daß ſie, haben ſie von ihrer Herrſchaft Abſchied genommen, das Aerg⸗ ſte von ihnen und ihren Kindern erzählen, da— mit es das Anſehen gewinne, als ob ſie nicht ohne Urſache ſie verlaſſen haben.“ Aber die Teufel ohne Zauberei auszutreiben, das ſteht meiſt in der Hausfrauen Gewalt. Die weiſen Griechen haben ein Sprüchwort gehabt, welches der hochgelehrte römiſche Cicero in ſei— nen Epiſteln anzieht, und in deutſcher Sprache ſo viel heißt: „Wie die Frau, ſo ſind auch die Mägde.“ —„Gleichwie,“ ſagt ein Kirchenvater —„die Schwalben den Lenz und die Blüthe die Frucht verkünden, ſo kann man auch auf der Frauen Sitten aus den Mägden urtheilen.“ Die alten Deutſchen ſangen: „Das Wetter kennet man beim Wind, Den Vater kennet man beim Kind, Man kennt die Herrſchaft beim Geſind.“ Das merkt euch, ihr Hausfrauen: „Verlaßt euch nicht zu viel auf Knecht und Magd. Die Frau muß ſelber ſein die Magd, Will ſie im Hauſe ſchaffen Rath.“ —.— Bittet, ſo wird euch gegeben; ſuchet, ſo wer⸗ det ihr finden; klopfet an, ſo wird euch aufgethan. Matth. 7, 7. Dieſen Spruch legt Luther folgendermaßen aus: Erſtlich will Chriſtus, wir ſollen bitten, wenn wir in Anfechtungen ſind. Aber Gott verkreucht ſich oft irgends hin, und will uicht hören, ja er will ſich nicht laſſen finden; ſo muß man ihn denn ſuchen, das iſt, mit Beten anhalten. Wenn man ihn denn ſucht, ſo verſchleußt er ſich denn in ein Kämmerlein; will man denn zu ihm hinein, ſo muß man denn anklopfen. Wenn man denn einmal oder zwei geklopfet hat, ſo verhört er ein wenig. Letztlich, wenn man des Klopfens will zu viel machen, ſo thut er auf und ſpricht: Was willſt du denn? — HErr, ich will dies oder jenes haben. — So ſpricht er: So hab dir's doch. —Alſo muß man ihn aufwecken.