# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 47 jeder meint, und daß jeder dabei wahrhaftig iſt. So iſt die Abſicht des Evangeliſten Lucas, indem er uns von dem Schächer zur Rechten JEſu er⸗ zählt, uns bemerklich zu machen, was für eine Tröſtung und Labung der Seele JEſu inmitten der Schmähungen, die ihn umgaben, widerfahren ſei, da wenigſtens der eine Schächer ſich in demüthigem und gläubigem Gebet zu ihm wandte, während Matthäus und Marcus ganz offenbar bei ihrer Erzählung eine andere Abſicht hatten. Sie nennen uns recht gefliſſent⸗ lich die verſchiedenen Menſchenklaſſen, die ſich an der Schmähung betheiligt haben, und wollen damit ſagen: Es war niemand ſo vornehm, und wenn er auch gleich ein Hoherprieſter oder ein Schriftgelehrter war, der ſich ge⸗ ſcheut hätte, Worte der Schmähung und Läſterung gegen JEſum auszu⸗ ſchäumen; und wiederum war keiner ſo gering und ſo verworfen, daß er nicht geglaubt hätte, JEſus ſei noch viel erbärmlicher als er, wäre es auch gleich ein Uebelthäter, ein Mörder, der ſelbſt am Kreuze hing. Alle, alle, Leute von jeder Lebensſtellung, hoch und niedrig, gebildet wie ein Schrift⸗ gelehrter oder roh wie ein Kriegsknecht, haben wahr machen helfen, was der 22. Pſalm von Chriſto weiſſagt: „Alle, die mich ſehen, ſpotten mein, ſperren das Maul auf und ſchütteln den Kopf.“ Die Auferſtehung JEſu Chriſti. (Matth. 28. Marc. 16. Luc. 24. Joh. 20. 21.) Die Auferſtehung JEſu Chriſti von den Todten iſt unter allen That⸗ ſachen, die das Neue Teſtament berichtet, diejenige, der am meiſten wider⸗ ſprochen wird, und zwar auch mit der Begründung widerſprochen wird, ſie könne darum nicht wahr ſein, weil die vier Evangeliſten über ſie nicht über⸗ einſtimmten, hier bei der Auferſtehung noch weniger als ſonſt. Daß bei dieſem Punkte der evangeliſchen Geſchichte auch dieſe Anklage mit verdoppelter Stärke erhoben wird, darf uns nicht groß wundern. „Iſt aber Chriſtus nicht auferſtanden“, ſagt der Apoſtel Paulus 1 Cor. 15, 14., „ſo iſt unſere Predigt vergeblich“ (κενόν, leer, gegenſtandslos). Natürlich, ein Apoſtel JEſu Chriſti ſein hieß ja, vor allem ein Zeuge ſeiner Aufer⸗ ſtehung ſein. „Wir würden“, ſagt der Apoſtel, „aber auch erfunden falſche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeuget hätten, er hätte Chriſtum auf⸗ erwecket, den er nicht auferwecket hätte, ſintemal die Todten nicht aufer⸗ ſtehen.“ „Iſt Chriſtus nicht auferſtanden“, ſpricht er, „ſo iſt euer Glaube eitel“, leer, „ſo ſeid ihr noch in euren Sünden, ſo ſind auch die, ſo in Chriſto entſchlafen ſind, verloren.“ Wenn demnach der Satan an einem ſolchen Punkte der chriſtlichen Lehre rütteln und ſchütteln will, der wirklich ein Grundpfeiler des Hauſes iſt, mit dem es ſteht und fällt, ſo mußte er hier bei der Auferſtehung Chriſti den ſtärkſten Hebel anſetzen. Wenn die Auferſtehung Chriſti von den Todten keine Thatſache iſt, dann iſt in der That das ganze Chriſtenthum Schwindel und Betrug; dann iſt vor allem Chriſtus ſelbſt nicht nur ein Betrogener, der ſich ſelbſt getäuſcht hat, ſon⸗