# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 42 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung ſtimmten. Nun berichtet aber ein Evangeliſt wie der andere, daß JEſus in der Nacht zuvor Wind und Meer bedroht und ganz ſtill gemacht hatte, und daß er dann gleich nach vollbrachtem Wunder von der Grenze der Ga⸗ darener auf deren Wunſch gewichen, wieder ins Schiff getreten und nach Capernaum gefahren ſei. Zweimal aber hat ſich JEſus einem ſolchen Wunſch der Gadarener gewiß nicht ausgeſetzt. Befremdend mag es alſo wohl ſein, daß der eine Evangeliſt zwei Beſeſſene nennt, die beiden andern Berichterſtatter nur Einen; aber ein Widerſpruch iſt's darum nicht. Die Sache löſt ſich einfach. Dem Matthäus kam es allein darauf an, die Größe des Wunders mit kurzen Worten zu melden; des Marcus Bericht iſt dreimal, der des Lucas zweimal ſo lang als der des Matthäus. Darum ſagt uns Matthäus, daß das Wunder an zweien geſchehen ſei, erzählt uns aber nicht, was ſich nachher mit den beiden Geheilten zugetragen hat, faßt ſich auch viel kürzer in dem Geſpräche JEſu mit den böſen Geiſtern. Dem Marcus aber und dem Lucas liegt es daran, die Wirkung hervorzuheben, die die Heilung in dem Verhalten des einen Geheilten hervorgebracht hat. Es iſt ganz gut möglich, daß es von den zweien nur einer war, der bei JEſu zurückblieb, bekleidet und vernünftig zu ſeinen Füßen ſaß und ihm aus Dankbarkeit nachfolgen wollte, während der andere nach ſeiner Heilung einfach davonging. Wenn ich — um ein Beiſpiel anzuführen — mit einem Freunde einen Beſuch in einer Irrenanſtalt mache, und wir ſehen da im Garten zwei Irre daherkommen, die ſich beide die Kleider vom Leibe reißen, und von denen einer zuletzt meinem Freunde mit freundlichem Grinſen die Hand hinreicht, und wir kommen beide nachher nach Hauſe, ich erzähle meiner Frau: „Heute habe ich zwei Irre geſehen, die ihre Kleider vom Leibe riſſen“; mein Freund aber erzählt ſeiner Frau: „Höre, heute habe ich einen Irren geſehen, der hat ſich die Kleider vom Leibe geriſſen und umhergewirthſchaftet, und zuletzt gab er mir die Hand, als ſei nichts geſchehen“ — kann dann ein vernünf⸗ tiger Menſch ſagen: Hier liegt ein Widerſpruch vor, einer von den beiden muß die Unwahrheit geſagt haben? Ich denke nicht. Oder kann jemand ſagen: Das müſſen zwei ganz verſchiedene Begebenheiten geweſen ſein? Sicher nicht. Daß der Teufel, der ſonſt ein Vater der Lügen heißt und iſt, hier ein⸗ mal die Wahrheit redet, das iſt auch kein Widerſpruch; denn die Schrift ſagt nicht: Er redet nur und immerdar Lügen. Mich. Walther bemerkt daher in ſeiner „Harmonia Biblica“: „Wenn der liſtige und verſchlagene Geiſt hier die Wahrheit ſagt, ſo hat das einen andern Zweck, als damit Gott zu loben und zu preiſen. Die Menſchen, die aus ſeinem (des Teufels) Munde Chriſtum, den Sohn Gottes, nennen hören, die ſollen nach des Teu⸗ fels Abſicht vielmehr glauben: Gerade weil der Teufel das ſagt, darum wird's nicht wahr ſein. Er will alſo die Menſchen nicht in die Wahrheit führen, auch wenn er einmal die Wahrheit ſagt.“ Aehnlich Luther: „Die