# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung zweites Mal erlauben dürfen, ohne gewaltſam daran verhindert zu werden, als eine ganz eitle Einbildung dahin. Nebenbei mag noch bemerkt werden, wie wichtig es iſt, neben der zweiten Tempelreinigung auch an der Geſchichtlichkeit der erſten feſtzuhalten. Sie gibt uns einen merkwürdigen geſchichtlichen Anhaltspunkt und einen Beweis dafür, daß die Bibel die Chronologie der Weltgeſchichte nicht zu fürchten hat. In dem Geſpräche nämlich, das JEſus nach der erſten Tempelreinigung mit den Juden gehabt hat, hatten ſie, wie ſeine Jünger damals auch noch, JEſu Worte: „Brechet dieſen Tempel, und am dritten Tage will ich ihn auf⸗ richten“ nicht verſtanden, ſondern auf den Tempel zu Jeruſalem bezogen und ſprachen deshalb zu ihm: „Dieſer Tempel iſt in ſechsundvierzig Jahren erbauet, und du willſt ihn in dreien Tagen aufrichten?“ Wie wir aus Joſephus wiſſen, hatte Herodes achtzehn Jahre vor ſeinem Tode, alſo ſech⸗ zehn Jahre vor Chriſti Geburt, mit dem Umbau des Tempels zu Jeruſalem begonnen, und dies Werk war von ihm und ſeinem Nachfolger beſtändig fortgeführt worden. Rechnen wir nun zu dieſen ſechzehn Jahren noch die 30 Jahre hinzu, die JEſus damals alt war, als er auf dieſes erſte Oſterfeſt nach ſeiner Taufe gen Jeruſalem ging, ſo haben wir genau die ſechsund⸗ vierzig Jahre, von denen die Juden da reden. Es iſt daher dieſe wichtige Stelle einer der Haken, an dem die bibliſche Chronologie noch mehr als eine Zeitbeſtimmung aufhängen kann. Gegen den Vorwurf aber, dieſe ganze Tempelreinigung paſſe nicht zum ſonſtigen Charakter Chriſti, bemerkt Lilienthal in ſeiner etwas trivialen Weiſe (VII, 122): „Was ſoll in dieſer Handlung der Ehre JEſu ver⸗ kleinerlich ſein? Es iſt wahr, er macht eine Geißel aus Stricken. Aber wo ſteht's, daß er damit auf Menſchen losgeſchlagen habe, wie die Maler zuweilen dieſe Geſchichte darſtellen? Sowenig er die Taubenkrämer mit Schlägen zum Tempel hinausgetrieben, ſondern ihnen nur mit Worten an⸗ befohlen, ihre Waare wegzutragen, ſo wenig hat er auch den Viehhändlern übel begegnet. Die Umſtände der Geſchichte laſſen ſich auf eine ſehr be⸗ greifliche Art alſo vorſtellen: JEſus trifft im Tempel dieſe Käufer und Verkäufer an, unter denen die Viehhändler den erſten Platz einnahmen. Er verwies ihnen die Entheiligung des Tempels und gebot ihnen, ſich mit ihrem Vieh wegzumachen. Da ſie nun dazu ſchlechte Luſt mögen gehabt haben, ſo macht JEſus aus den auf dieſem Markt häufig vorhandenen Stricken eine Geißel, um die Ochſen und Schafe auszutreiben, welches be⸗ kanntermaßen durch dergleichen Werkzeuge geſchieht, ohne daß es nöthig wäre, mit vieler Gewalt die Thiere zu ſchlagen, die bloß auf das Klatſchen der Peitſche dahin gehen, wohin man ſie zu treiben gedenkt. Da nun das Vieh zum Tempel hinauszog, folgten ſonder Zweifel deſſen Beſitzer von ſelbſt nach, um das Ihrige nicht zu verlieren, welches auch die Abſicht JEſu nicht war. Denn daß er ihre Waare nicht der Plünderung hat preisgeben wollen, erhellt aus ſeinem Verhalten gegen die Taubenkrämer. Die Ochſen