# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 39 ten nur eigentlich außerhalb des Tempels ſein; allein ſie kamen auch in die inneren Vorhöfe und bei großem Andrang in die Nähe der Hallen, in denen Chriſtus ſowohl wie die Phariſäer lehrte. Und da war es natürlich, daß eine gewiſſe Gewalt angewendet wurde, dieſe Leute von da wegzutreiben, wo ſie kein Recht hatten zu ſein. Aber es iſt wohl ſehr zu erwarten, daß ſie immer wieder kamen. Da ſich nun die hierauf bezüglichen ſpäteren Hand⸗ lungen Chriſti gar nicht ſehr von den früheren unterſcheiden, ſo war natür⸗ lich, daß ſie von jedem Evangeliſten nur einmal erzählt wurde. Bei Johan⸗ nes erſcheint die That noch ſtärker, weil Chriſtus damals noch nicht die Auctorität wie ſpäter hatte.“ So weit Schleiermacher. Daran iſt richtig, daß man ſich nicht als über etwas Seltſames zu wundern und alſo auch keinen Widerſpruch darin zu erblicken hat, daß uns zwei Tempelreinigungen zu verſchiedener Zeit berichtet werden, die ziemlich ähnlich verlaufen ſind. Müßig iſt nur die Bemerkung, daß JEſus jedes⸗ mal, ſo oft er in Jeruſalem war, etwas Aehnliches werde haben thun müſſen. Zweimal aber that er alſo der Schrift zufolge, einmal am Be⸗ ginn, das andere Mal am Schluſſe ſeiner öffentlichen Lehrthätigkeit. Und obwohl allerdings das, was JEſus gethan hat, beide Male weſentlich gleich blieb, ſo ſind doch die Worte, die er am Ende ſeiner Laufbahn dabei geſprochen hat, nach dem Berichte des Matthäus, Marcus und Lucas ſchärfer geweſen als die zu Anfang nach dem Berichte des Johannes geſprochenen. Erſt ſagte er nur: „Machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhauſe.“ Am Montag nach Palmſonntag aber wirft Chriſtus ihnen vor: Ihr habt mein Haus, das ein Bethaus ſein ſoll allen Völkern, zur Mördergrube ge⸗ macht. Auch in Bezug auf die Folgen der That JEſu tritt ein Unterſchied hervor. Bei Johannes verlangen die Juden noch ein Zeichen von JEſu, daß er ſolches thun dürfe. Er hatte bis dahin in Judäa noch gar keine Wunder gethan; da ſollte er denn — das war der Juden Meinung — ſich durch ein Zeichen ausweiſen, daß er ein von Gott geſandter Prophet und als ſolcher zur Reinigung des Tempels berufen ſei, ſonſt könnten ſie ihm nicht das Recht einräumen, ſolches zu thun und einen Mißbrauch abzuſtellen, der von der Prieſterſchaft ſeit vielen Jahren ſchon geduldet war. Als aber JEſus den Tempel zum zweiten Male reinigte, fordern ſie nicht mehr ein Zeichen von ihm, er hatte ihrer ſchon genug gethan, hatte erſt kürzlich den Lazarus von den Todten auferweckt, was den Oberſten unter den Juden ein Dorn im Auge war und ſie mit Neid und Haß gegen JEſum erfüllt hatte. Da haben dieſes zweite Mal die Tempelreinigung und die damit verbunde⸗ nen noch ernſteren Worte JEſu von der Mördergrube vielmehr die Folge, daß die Hohenprieſter und Schriftgelehrten, vor die es kam, trachteten, wie ſie ihn umbrächten. Aber aus Furcht vor dem Volke wagten ſie zunächſt noch nicht, ſich an ihm zu vergreifen. War er doch den Tag zuvor unter dem Hoſiannaruf des Volkes in die Stadt eingezogen; alles Volk hing ihm an. Da fällt auch das Vorgeben, JEſus habe ſich ſo etwas nicht ein