# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S315 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Ruhm der lutherischen Kirche. 315 Christi noch eine seiner sieben Gemeinen in Asien. Es ist mithin falsch, wenn man behauptet: eine Gemeine, in deren Lehre Irrthum sich findet, ist keine Gemeine Christi mehr. Gegen diesen Satz zeugt auch das Wort Pauli 1. Cor. 3: „Einen andern Grund kann Niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. So aber Jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden, der Tag wird es klar machen..... wird jemandes Werk verbrennen, so wird er deß Schaden leiden; er selbst aber wird selig werden, so doch, als durchs Feuer.“ Denn nach diesem Wort Pauli kann ein Christ von der Wahrheit abweichende Meinungen haben und dabei doch den Grund JEsus Christus festhalten. So lange er aber den festhält, ist er ein Christ. Und demnach ist eine Gemeine, so lange sie denselben einigen Grund der Seligkeit öffentlich bekennt und keinen andern legt, eine Gemeine Christi. Aber nun—der Ruhm der lutherischen Kirche—? Ich gehöre von meinen Voreltern her der lutherischen Kirche an; Vater, Großvater und Urgroßvater sind Diener des Worts in dieser Kirche gewesen. Der Grund aber, aus welchem ich mich zur luth. Kirche halte, ist ihr Ruhm. Und welches ist der? Nicht daß sie die einige Kirche Christi auf Erden ist; sondern daß sie von Gottes Gnaden ein Glaubensbekenntniß hat, dessen Schriftgemäßheit sich je länger je mehr bewährt. Das ist ihr Ruhm. Aber wer sich rühmet, der rühme sich des HErrn. Welcher Lutheraner aber dem HErrn in Demuth dankbar ist für die reine lautre Lehre seines Wortes und den aus Gnaden ihm verliehenen Schatz wirklich hebt (nicht bloß weiß, wo er liegt) und des Schatzes durch den rechten Genuß froh wird: der wird auch bemüht sein, Andern diesen Schatz zuzuwenden und Andern ihn anpreisen. Aber ach! wie viele, oft für ihre Kirche sehr eifernde Lutheraner kennen den Schatz der Lehre ihrer Kirche wenig und haben und hegen wohl, trotz dem guten Bekenntniß ihrer Kirche, allerlei von der Wahrheit des Wortes Gottes abweichende Lehren, Meinungen und Ansichten! Lieben Brüder! laßt uns alle die lautre Lehre des Wortes Gottes in aller Demuth hören und lernen, auf daß wir durch sie wachsen und zunehmen! laßt uns mit allem Ernst darnach trachten, daß all unser Meinen und Dafürhalten dem Worte Gottes gemäß sei! Thun wir das, so werden wir erkennen, wie gar sehr unser Herz von der Wahrheit abzuirren geneigt ist, werden uns in manchem Irrthum befangen finden und werden, dadurch gedemüthigt, nun auch tüchtiger sein, Andere zur Wahrheit zu leiten und dabei nicht unsern Ruhm, sondern des Nächsten Seligkeit suchen. Und daneben laßt uns auch in unserm Leben den Sauerteig, der uns noch immer anklebet mit allem Ernst ausfegen, auf daß unser Licht auch in unserm Wandel zu Gottes Preise leuchte! Thun wir das, so werden wir als rechte Glieder Christi und seiner Gemeine erkannt werden und werden unendlich mehr zur Förderung der Kirche Christi auf Erden beitragen, als wenn wir gegen die Wahrheit und gegen die Schrift behaupten, es gebe keine Christenheit auf Erden außer den lutherischen Gemeinen. — Hüten wir uns, daß wir nicht in Heuchelei fallen! Amen. Ehlers.