# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung dem er gezeugt war, den andern, von dem er, ſo zu ſagen, adoptirt war; jenen nennt uns Matthäus, dieſen Lucas.“ Sehr viele römiſch⸗katholiſche und reformirte Theologen haben Luther beigeſtimmt und ſind ihm und Augu⸗ ſtin gefolgt. Von Theologen unſerer Kirche nenne ich nur Andreas Oſiander, Chemnitz, J. Gerhard, Hunnius, Hülſemann und Brochmand. Bei einer ſolchen Einhelligkeit der Bibelerklärer, die den verſchieden⸗ ſten Kirchengemeinſchaften angehören, ſollte man meinen, es würden wenig⸗ ſtens alle die Theologen, die ſich gläubig, proteſtantiſch und lutheriſch nen⸗ nen, einer ſolchen Erklärung mit Freuden beifallen. Dem iſt aber nicht ſo. Zwei neuere deutſche Theologen, die immer als gute Lutheraner haben gel⸗ ten wollen, obſchon ſie es nicht waren, Hofmann in Erlangen und Franz Delitzſch sen. in Leipzig, wehrten ſich und proteſtirten, ſolange ſie lebten, gegen dieſe ſchöne Ausgleichung der beiden Evangeliſten. Sie erklärten, das thue ihrem Gewiſſen Zwang an; zwar ſei zwiſchen Matthäus und Lucas kein Widerſpruch, und natürlich könne man nur einen der beiden, Jakob oder Eli, als den natürlichen Vater des Joſeph betrachten; ja, man müſſe allerdings in den Worten: „Der war ein Sohn Eli“ eine tropiſche Redeweiſe erkennen; aber man dürfe auch nicht behaupten, Lucas gebe das Geſchlechtsregiſter der Maria, weil Maria eben nicht aus dem Hauſe Davids ſtammte; ſie ſei vielmehr aus dem Stamme Levi geweſen; es werde ja aus⸗ drücklich geſagt, ſie ſei mit Eliſabeth verwandt geweſen (der Engel ſprach zu ihr: „Eliſabeth, deine Gefreundte [συγγενίς], iſt auch ſchwanger“); ſo müſſe alſo auch Maria levitiſcher Abſtammung geweſen ſein. — Wenn man einen Theologen dieſer Richtung fragt: Läſſeſt du denn auch das noch gel⸗ ten, daß JEſus ein Sohn Davids war? ſo ſagt er: Jawohl, ſicher. Aber wie kannſt du das? Dann ſpricht er: Ja, ſieh, das kommt eben daher, daß JEſus, wie Lucas ausdrücklich bemerkt, gehalten wurde für den Sohn Joſephs; Joſeph aber war aus dem Hauſe Davids, und weil nun Joſeph die aus dem Stamme Levi gebürtige Maria auf Befehl des Engels als ſeine Gemahlin annahm, ſo wurde nun auch JEſus, der von einer levitiſchen Jungfrau empfangen war, in den Stamm Juda aufgenommen. Natür⸗ lich drückten die Herren das alles viel gelehrter aus, aber das war ihre Mei⸗ nung bis an ihr Ende; mit Hartnäckigkeit haben ſie ſie verfochten, und ſie iſt auch in eine Anzahl Lehrbücher aufgenommen, die z. B. Schullehrern zur Vorbereitung auf den bibliſchen Geſchichtsunterricht dienen ſollen. Merkwürdige Lutheraner das! Luther meint 1532 noch, der Evan⸗ geliſt Lucas halte es für unnöthig zu ſagen, daß Maria aus dem Hauſe Da⸗ vids war, weil es auch ohne dieſe Angabe unzweifelhaft war. Und dieſe Theologen meinen, Maria ſei aus dem Stamme Levi geweſen, und ſagen: „Wenn das richtig iſt, ſo liegt etwas daran, daß es anerkannt werde; es gilt, eines böſen Gewiſſens ledig zu werden, ohne welches man die Zu⸗ gehörigkeit JEſu zum Hauſe Davids nicht durch Marias Abſtammung ver⸗ mitteln kann. Im Hauſe Jakobs geboren, iſt JEſus ein Angehöriger des