# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 29 aber ein Menſch bekehrt iſt, bekommt er die göttliche Ueberzeugung, daß die Schrift Gottes Wort iſt. Es muß alſo voraufgehen die Erfahrung: Ich glaube an JEſum Chriſtum; dann folgt die andere: Darum glaube ich auch Chriſto und gebe ihm die Ehre, wenn er ſagt, daß die ganze Schrift göttliche Wahrheit iſt. Der große Unterſchied zwiſchen den Naturwiſſenſchaften auf der einen und der Theologie auf der andern Seite iſt dieſer: In der Natur treten uns auch Werke Gottes entgegen; aber es liegt kein Brief Gottes dabei, der uns ſagt, was die Dinge zu bedeuten haben. Da ſoll und darf denn der Menſch ſtudiren, Schlüſſe ziehen und überhaupt ſeine Vernunft gebrauchen, um Gottes Werke in der Natur zu verſtehen und eine Naturlehre zu ge⸗ winnen. Ganz anders iſt es in der Theologie. In der Schrift werden uns nicht bloß Thatſachen berichtet, z. B. daß Gottes Sohn Menſch gewor⸗ den iſt ꝛc., ſondern es ſteht auch die Lehre ſofort dabei. Die Schrift ſagt uns, wie wir die Thatſachen aufzufaſſen haben, was ſie für uns Menſchen bedeuten. Ich ſoll nicht erſt durch menſchliche Forſchung dahinterkommen, was z. B. der Tod Chriſti zu bedeuten habe, ſondern das ſagt mir Gott ſelbſt in ſeinem Wort. Es iſt durchaus verkehrt und unſinnig von den modernen Theologen, wenn ſie ſagen, man müſſe die Theologie aus den „göttlichen Thatſachen“ herleiten; denn die Theologie macht keine Rück⸗ ſchlüſſe aus Thatſachen, ſondern bekennt das, was die Bibel über dieſe That⸗ ſachen lehrt. Unſere Stellung iſt dieſe: Wir gründen unſern Glauben nicht auf die göttlichen Thatſachen an ſich, ſondern auf das Wort der heiligen Schrift, auf die göttliche Lehre von dieſen Thatſachen. Darum halten wir feſt: Die heilige Schrift iſt das inſpirirte Wort Gottes in dem Sinne, daß uns Gott in dieſem Wort vorgelegt und geſagt hat, was chriſtliche Lehre iſt. Wir ſollen unſern Ruhm als Theologen darin ſuchen, daß wir nichts weiter ausſagen, als was in der Schrift geſchrieben ſteht. Auch Theologen kommen mit aller Erkenntniß und Forſchung nicht eine Linie über das aus⸗ gedrückte Wort Gottes hinaus. So geſchieht es denn auch, daß der gelehr⸗ teſte Theologe ſtets von jedem einfältigen Chriſten controlirt werden kann. Beſprechung einzelner ſcheinbarer Widerſprüche in der Bibel. Haben wir nun gezeigt, daß es allerdings einem Chriſten feſtſteht, die heilige Schrift könne ſich nicht widerſprechen, ſo können wir ohne die ge⸗ ringſte Beſorgniß, daß es ſich am Ende doch anders herausſtellen möchte, an die Beſprechung der einzelnen Stellen gehen, die nach der Behauptung ſo vieler das Gegentheil beweiſen ſollen. Da es heutzutage traditionell geworden iſt zu ſagen, daß die anſcheinenden Widerſprüche auch wirkliche Widerſprüche ſind, ſo würde unſere Unterſuchung jeden Werth verlieren, wenn wir ſie von vornherein mit der Vorausſetzung unternähmen, daß dieſe traditionelle Anſicht jedenfalls herauskommen müſſe. Und unſern Stand⸗ punkt wollen wir dabei nicht über oder neben, ſondern in der Schrift nehmen.