# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S314 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 314 Der Ruhm der lutherischen Kirche. Aber es sollen nun einmal die lutherischen Gemeinen die einzigen Gemeinen Christi auf Erden sein, und dies darzuthun führt man an: „ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig“ und wendet diese Worte des Ap. Paulus so an, daß man sagt: in dem Bekenntniß der oder jener Kirche finden sich die und die Irrthümer; das ist Sauerteig; Sauerteig versäuert den ganzen Teig; folglich sind jene Gemeinen keine Gemeinen Christi. Ich könnte hier nun zuerst sagen: aber wo bleibt dann eine bedeutende Anzahl von Gemeinen, die lutherische genannt und, weil bei ihnen das lutherische Bekenntniß nach staatsbürgerlichem Gesetz noch zu Recht besteht, zur wahren Kirche gerechnet werden? Der heilige Apostel Paulus würde, wenn er in einer lutherisch genannten Gemeine des Sauerteiges viel fände, sich nicht dadurch zurückweisen lassen, daß Jemand der Gemeine Fürsprecher würde (wenn sie vielleicht vom Sauerteige so durchfressen wäre, daß keins ihrer Glieder sich noch um lutherisches Bekenntniß und lutherische Kirche kümmerte) und sagte: in dieser Gemeine besteht das lutherische Bekenntniß noch zu Recht; darum ist sie für eine rechtgläubige Gemeine zu achten. Paulus würde antworten: Sauerteig ist Sauerteig, wo immer er sich findet, und je mehr eine Gemeine sich darauf zu gut thut, den rechten Glauben zu haben, um desto ernster ist sie dafür zu strafen, wenn sie deß ungeachtet die Wahrheit verworfen hat, und um desto weniger darf man sie eine wahre Gemeine Christi nennen.—Ich könnte ferner auch darauf hinweisen, daß Paulus mit den angeführten Worten vom Sauerteige zunächst auf gottloses Leben zielt und könnte den Blick wieder auf eine große Zahl von lutherischen Gemeinen lenken, in denen solcher Sauerteig sich in Uebermaaß findet und, ihn auszufegen, keine Hand aufgehoben wird. Versäuert denn da nun nicht der Sauerteig den ganzen Teig, so daß keine Kirche Christi mehr da ist; oder bleibt da ungeachtet des Sauerteiges dennoch eine lutherische, also eine wahre Gemeine Christi?—Aber ich will die Anführung jener Worte Pauli annehmen, wie sie gemeint ist. Die Meinung ist aber die: in dem Bekenntniß andrer Kirchen finden sich Irrthümer, und darum sind diese Kirchen keine wahre Kirchen; denn ein wenig Irrthum verdirbt das ganze Bekenntniß, daß es nicht mehr ein wahres Bekenntniß ist und die Gemeine, welche solches Bekenntniß hat, ist nicht eine wahre Gemeine Christi, also gar keine Gemeine Christi; sondern wahre Gemeinen Christi sind allein die, welche das ganz reine Bekenntniß haben. Hierauf erwidre ich: allerdings soll eine Gemeine Christi der Wahrheit nachtrachten und wie den Sauerteig im Leben, so auch den Sauerteig in der Lehre auszufegen bemüht sein, und wenn sie das zu thun unterläßt, so sündigt sie. Nicht aber hört eine Gemeine darum sofort auf, eine Gemeine Christi zu sein, wenn sie dies nicht thut (so wenig wie sie sofort aufhört eine christliche Gemeine zu sein, wenn sie die Sünde im Wandel unbestraft läßt), In der Gemeine zu Thyatira (Offenb. 2) wurde dem Weibe Isabel nicht gewehret, die Knechte Gottes zu verführen*); dennoch war sie in den Augen *) Zur Hurerei und Götzenopfer zu essen, indem sie sich für eine Prophetin ausgab und lehrte, Hurerei sei keine Sünde.