# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung ungläubig iſt, hat die entgegengeſetzte Ueberzeugung von der Recht⸗ fertigung. Mit dieſem Vorurtheil tritt jeder Ungläubige an die heilige Schrift heran, es macht keinen Unterſchied, ob er gebildet oder ungebildet iſt. Es iſt deshalb eine Tollkühnheit, wenn ein ſolcher Mann ſich herausnimmt, an der Schrift Kritik üben zu wollen. Wiederum aber, wer an Chriſtum als ſeinen Heiland glaubt und alſo im Hauſe Gottes lebt, hört die Stimme ſeines Gottes in der Schrift und freut ſich darüber. Er iſt für die Schrift eingenommen. Wo Widerſprüche in ihr zu ſein ſcheinen, läßt er ſich das nicht groß anfechten. Er lebt der Ueberzeugung, daß die Schrift nicht ge⸗ brochen werden kann, wenn auch die unverbrüchliche Wahrheit derſelben uns Menſchen hie und da nicht ſofort einleuchtet. Wenn ein Menſch ſagt: Ich nehme die Schrift vor aller Prüfung als widerſpruchslos an, ſo iſt vorauszuſetzen, daß er den Heiligen Geiſt hat und ein bekehrter Chriſt iſt. Ein Ungläubiger ſpricht nicht ſo, mag er ſich ſonſt noch ſo wohlwollend ſtellen. Die Erklärung iſt einfach. Wir ſind von Natur alle Kinder der Finſterniß; die Schrift aber iſt das Licht Gottes. So iſt es natürlich, daß das Licht gegen die Finſterniß iſt und die Finſter⸗ niß gegen das Licht. Einen Unbekehrten auf Chriſti Wort hinzuweiſen, daß die Schrift nicht gebrochen werden kann, und von ihm Annahme dieſes Wortes zu fordern, iſt unvernünftig; denn Gott bekehrt den Menſchen auf eine andere Weiſe als durch Argumente, Demonſtrationen u. dgl. Gott braucht ſeine heilige Schrift an uns nicht als ein Gelehrtenbuch, ſondern als ein praktiſches Mittel, uns aus der Finſterniß zum Licht, zur Buße, zum ſeligmachenden Glauben zu bringen. Haben wir dieſen Glauben, und wohnt der Heilige Geiſt in uns, dann gibt er uns das Zeugniß von der Göttlichkeit der heiligen Schrift. Das iſt nicht eins und dasſelbe mit dem, was man „Erfahrung“ nennt, ſondern etwas, das den Menſchen mit einem Male emporhebt über alle wirklichen Zweifel und Ungewißheit. Wird er einmal beunruhigt, ſo hat er dann gleich wieder durch den Heiligen Geiſt ſeinen Standpunkt. Dies Zeugniß des Heiligen Geiſtes bekommen wir nur durch die Schrift ſelbſt, durch das geſchriebene Wort Gottes, und es bleibt nur bei uns durch eben dasſelbe geſchriebene Wort Gottes; wer nicht mit dieſem Worte umgeht, wird das Zeugniß wieder verlieren. Hierin zeigt ſich bei uns Lutheranern das wahre, tiefe Verſtändniß von der heiligen Schrift und ihrem Zweck. Kein Menſch hat wirklich die Ueberzeugung, daß die Schrift Gottes Wort ſei, bis er ein Kind Gottes geworden iſt. Chriſtus ſagt ausdrücklich: „So jemand will deß Willen thun, der wird inne werden, ob dieſe Lehre von Gott ſei, oder ob ich von mir ſelbſt rede“, Joh. 7, 17. „Der Geiſt iſt's, der da zeuget, daß Geiſt Wahrheit iſt“, 1 Joh. 5, 6. Ein unbekehrter Menſch kann eine ſogenannte menſchliche Ueberzeugung davon haben, daß der Inhalt der Bibel Wahrheit iſt; aber dieſe Ueberzeugung kann auch durch menſchliche Gründe wieder über den Haufen geworfen werden. Sobald