# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 27 alte Hochmuth des Menſchen, der uns da immer wieder einen Streich ſpielt. Auch iſt der Erzfeind der Menſchen, der Satan, immer geſchäftig, den Brand zu ſchüren, zu mehren und auch wohl von vornherein zu veranlaſſen, ſo daß wir, wenn wir uns dabei ertappen und in der heiligen Schrift einen Wider⸗ ſpruch gefunden zu haben meinen, uns auch immer wieder zu demüthigen und es Gott dem HErrn abzubitten haben, daß wir uns etwas derartiges herausgenommen haben. Im zweiten bis vierten Jahrhundert der chriſtlichen Kirche iſt es ſehr bald rückwärts gegangen mit der Lehre. Selbſt bei den apoſtoliſchen Vätern findet ſich grobe Vermiſchung des Geſetzes und Evangeliums. Man kann die Schriften der apoſtoliſchen Väter und der Kirchenväter nicht mit unge⸗ theilter Freude leſen. Aber ſtets muß man ſich freuen über den Reſpect dieſer Männer vor der heiligen Schrift. Deshalb eben ſteht die Kirche der erſten Jahrhunderte ſo hoch über der Kirche unſerer Zeit. In unſerer Zeit iſt die Autorität der heiligen Schrift in der äußeren Chriſtenheit geſchwun⸗ den: man reſpectirt ſie nicht als Gottes geoffenbartes Wort. Die moderne Kritik ſtellt die Forderung auf, es müſſe ihr erlaubt ſein, „frei“ an die hei⸗ lige Schrift heranzutreten und auch ſie der menſchlichen Kritik zu unterwerfen. Dieſe Stellung verwerfen wir als eine, die ſich durchaus nicht für eine chriſt⸗ liche Theologie ziemt. Die ganze chriſtliche Kirche und ſomit auch die Lehrer der Kirche haben nichts weiter zu thun kraft göttlichen Auftrages, als Gottes Wort zu bekennen. Wir haben nicht die Aufgabe, Gottes Wort in dem Sinne zu prüfen, als hätten wir darüber zu entſcheiden, ob wir es als Wahr⸗ heit verkündigen wollen oder nicht, ob es Wahrheit ſei oder nicht. Wer in der chriſtlichen Kirche redet und Anſpruch darauf macht, in ihrem Namen zu reden, der hat nur Gottes Wort zu bekennen, wie es als eine gegebene Größe in der heiligen Schrift vorliegt, wie ja auch Petrus ſagt: „So jemand redet, daß er's rede als Gottes Wort.“ Wer nicht weiß, daß das, was er redet, Gottes Wort iſt, der ſoll in der chriſtlichen Kirche den Mund halten. — Man redet von „vorurtheilsfreier“ Kritik, die man an der Schrift üben wolle. Aber es gibt ja in dieſer Hinſicht keinen vor⸗ urtheilsfreien Menſchen; man iſt entweder für die heilige Schrift oder gegen ſie, gerade wie man entweder für Chriſtum iſt oder gegen ihn. Es gibt keinen Menſchen, der Chriſto neutral gegenüberſtünde, und ebenſo keinen, der die Schrift neutral beurtheilen könnte. Die Leute irren ſehr, die da ſagen: Ich glaube zwar nicht an Chriſtum, habe aber auch nichts gegen ihn, ſondern halte ihn ſogar ſehr hoch. Wer nicht an Chriſtum glaubt als ſeinen Heiland, der iſt eben wider Chriſtum und verwirft ihn als Heiland der Welt. Gerade ſo iſt es mit der heiligen Schrift. Es tritt niemand vorurtheilsfrei an ſie heran: iſt man ungläubig, dann iſt man gegen die heilige Schrift eingenommen, hat ein furchtbares Vorurtheil gegen ſie, denn Kern und Stern der Schrift iſt die Lehre von der gnädigen Vergebung der Sünden allein um des Verdienſtes Chriſti willen; und wer