# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung zählt, daß von der ſechsten bis zur neunten Stunde, alſo von zwölf bis drei Uhr, eine Finſterniß entſtand, nach deren Ablauf bald JEſu Tod eintrat, während uns Johannes ſchreibt, daß um die ſechste Stunde (das wäre alſo nach des Marcus Rechnung Mittags zwölf Uhr) Pilatus erſt an das Volk die Frage gerichtet hat: „Sehet, das iſt euer König! Soll ich euren König kreuzigen?“ Dem Anſcheine nach kann ja unmöglich beides wahr ſein. Aber wenn man in Betracht zieht, daß Johannes hier die Stunden von der Be⸗ endung des Paſſahmahls an, alſo wie die Römer von zwölf Uhr an, rechnet, dann iſt die ſechste Stunde Morgens früh um ſechs Uhr, und dann ſtimmt alles ganz fein und wohl, dann fand nach Sonnenaufgang JEſu Verurthei⸗ lung durch Pilatus ſtatt, und um neun Uhr wurde er gekreuzigt. Von einem Widerſpruch iſt dann weiter keine Rede. Ein ſonnenklarer Widerſpruch iſt eben nur dann vorhanden, wenn von derſelben Perſon oder Sache zur ſelben Zeit, an demſelben Orte, in derſelben Verbindung zugleich Ja und Nein ausgeſagt wird; und ſolche Widerſprüche, das behaupten wir allerdings, kann es in der heiligen Schrift nicht geben. Sie iſt Gottes Wort; die Schreiber wurden in allen Fällen vom Heiligen Geiſte in alle Wahrheit geleitet; ſie iſt Norm und Richtſchnur des Glaubens und des Lebens. Die alte Kirche hat auch geglaubt, daß es keine Widerſprüche in der Schrift geben könne. Thomaſius („Dogmengeſchichte“ I, S. 126 f.) führt aus Irenäus und Juſtinus Stellen an, deren Inhalt er ſo zuſammen⸗ faßt: „Sowenig die heiligen Schriften etwas Irriges oder Verderbliches enthalten, ſo wenig etwas Unbedeutendes oder Leeres, nichts, was Gott nicht geziemend, ſeinem Weſen nicht angemeſſen wäre. Durch alle ihre Theile ergießt ſich die Fülle göttlicher Majeſtät und Weisheit. Sie bilden einen großartigen Organismus, wie die Saiten des Pſalters, wie die Stim⸗ men eines himmliſchen Chores. Wo es anders ſcheint, wo ein Wider⸗ ſpruch zu beſtehen ſcheint, da liegt es lediglich an unſerm mangel⸗ haften Verſtändniſſe, und eher muß man durch allegoriſche Deutung die Auflöſung ſuchen, als etwas dergleichen zulaſſen. Denn wie die göttliche Kunſt nicht allein an den Geſtirnen und Himmelskörpern, ſondern auch an den irdiſchen und hinfälligen Dingen ſich kundgibt, ſo nehmen wir an, daß jedem Buchſtaben der ſämmtlichen vom Heiligen Geiſte eingegebenen Schrif⸗ ten Spuren der Weisheit, ſoviel es ſein konnte, eingefügt wurden. Wer den Urheber der Welt und der Schrift für dasſelbe Weſen hält, kann dar⸗ über nicht im Zweifel ſein.“ Hierzu bekennen auch wir uns, nur daß das, was von der allegoriſchen Deutung geſagt iſt, vorſichtiger gefaßt und gegen Mißverſtändniſſe und Mißbrauch geſchützt ſein muß. Aus der Debatte. Wenn man von den Urſachen redet, warum die Menſchen Widerſprüche in der Schrift finden, ſo darf man die erſte und hauptſächlichſte doch nicht ganz unerwähnt laſſen. Zuletzt iſt es doch immer das alte böſe Fleiſch, der