# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung nen wagen, daß die ganze Bibel Gottes Wort, daß in ihr kein Menſchen⸗ wort iſt. Dieſe finden in der Bibel auch Widerſprüche; ſie können dem auch gar nicht entgehen. Wenn ein Theil der Schrift Menſchenwort iſt und nicht Gottes Wort, wenn der Heilige Geiſt die Inſpiration nicht ſo weit getrie⸗ ben hat, die heiligen Männer in alle Wahrheit zu leiten, was iſt dann natür⸗ licher, als daß ſie, wo ſie ſich ſelbſt überlaſſen blieben, alle die Fehler ge⸗ macht haben, die eben von Menſchenwerken unzertrennlich ſind, Irrthümer, falſche Auffaſſungen, Gedächtnißfehler und was dergleichen mehr iſt? Sagt doch ſelbſt der ältere Philippi in ſeiner „Glaubenslehre“: „Man hat ſich nicht von vornherein gegen die Anerkennung der Möglichkeit zu ſträuben, daß manche untergeordnete Differenzen wirklich vorhanden ſeien und ungelöſt bleiben.“ Sehr viel ſtärker aber drückt ſich z. B. Kahnis aus: „Die Vor⸗ ausſetzung, daß die Evangelien frei von allen Unrichtigkeiten und Wider⸗ ſprüchen ſind, iſt mit den ewigen Geſetzen, welche der Schöpfer in den er⸗ kennenden Geiſt gelegt hat, unvereinbar.“ („Zeugniß v. d. Grundwahrh. d. Prot.“, S. 76.) Und wenn man ihm vorhält: Du ärgerſt die Gemeinde Gottes, wenn du von Widerſprüchen in der heiligen Schrift redeſt, dann fragt er ganz aufgeregt (S. 78): „Soll ich gegen meine Ueberzeugung reden oder ſchweigen? Oder ſoll ich etwa ſagen, obgleich ich feſt überzeugt bin, daß hie oder da ein unlösbarer Widerſpruch vorliegt, ſo will ich doch aus Glauben ſagen, er iſt nicht vorhanden?“ Daß es auch einen anderen mög⸗ lichen Fall gebe, nämlich den, daß zwar ſeine „erleuchtete“ Vernunft die Löſung noch nicht gefunden habe, andere Leute aber längſt einen guten und befriedigenden Ausweg gefunden haben, der Gedanke ſcheint ihm dabei gar nicht zu kommen. Das iſt auch nicht ſehr zu verwundern. „Wir Theologen“, ſagt er S. 134, „ſollen nun alles prüfen, Schriftlehre, Kirchengeſchichte, Kirchenglauben, kirchliches Leben. Sollen wir das, ſo müſſen wir eben im Stande ſein, für den Moment der Prüfung einen Standpunkt über der Sache einzunehmen; ſonſt ſinkt die Prüfung zum bloßen Spiel herab. So⸗ bald ich von einem Theologen weiß, daß er jede Prüfung von der Voraus⸗ ſetzung aus unternimmt, daß die traditionelle Anſicht jedenfalls herauskom⸗ men muß, hat ſeine Prüfung gar keinen Werth.“ Aber iſt das auch wahr? Sollen wir Theologen alles prüfen, Schriftlehre, Kirchengeſchichte, Kirchen⸗ glauben, kirchliches Leben? Ja, Kirchengeſchichte, Kirchenglauben, kirch⸗ liches Leben gewiß; die Schriftlehre aber wollen wir nicht prüfen, ſondern annehmen, wie ſie lautet, und nach ihr alles prüfen, was wir denken, reden, glauben, ſchreiben und drucken laſſen. Und nicht nur jeder Theologe iſt zu dieſer Prüfung verbunden, ſondern jeder Chriſt, ſei er Paſtor oder Laie. Was aber das betrifft, daß man für den Moment der Prüfung im Stande ſein müſſe, einen Standpunkt über der Sache einzunehmen, und daß ohne eine ſolche Stellung die Prüfung werthlos ſei, ſo kann es einen Standpunkt über der Schrift, wer weiß wie hoch, eigentlich nicht geben, ſondern nur einen in ihr. Und je näher man gerade in ihr bleibt, deſto genauer kann