# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S23 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 23 In dieſe Kategorie gehört freilich auch der vielberufene David Friedrich Strauß mit ſeinem bekannten Buche über das Leben JEſu. Von ihm hat ein württembergiſcher Theologe, und zwar keiner, der für einen ſtrengen Lutheraner, ſondern einer, der eher für das Gegentheil gelten will, als Straußens letztes Buch herausgegeben wurde und man ihn um ſeine Mei⸗ nung fragte, den Ausſpruch gethan: von Strauß könne man auch, obwohl er noch am Leben ſei, mit Recht ſagen: „HErr, er ſtinkt ſchon.“ Ferner gibt es viele Bibelleſer, welche die heilige Schrift ohne allen geiſtlichen Sinn und ohne jede geiſtliche Erfahrung leſen. Die leſen Moſen und die Propheten, die Evangeliſten und die Apoſtel wie den Virgil und den Cicero, den Shakeſpeare und den Göthe. Ihnen fehlt die Erfahrung und die lebendige Erkenntniß des ſo wichtigen Unterſchiedes zwiſchen Geſetz und Evangelium, und dieſer Mangel iſt, wie Althamer ſchon mit Recht her⸗ vorhebt, ein Hauptgrund, warum ihnen ſo viele unauflösliche Widerſprüche in der Schrift zu ſein ſcheinen. Wie wollen die auch es mit einander reimen, wenn es einmal heißt: „Ich will nicht ewiglich zürnen“, und ein andermal: „Sie werden in die ewige Pein gehen“; einmal: „Ich bin nicht kommen, daß ich die Welt richte“, und ein andermal: „Ich bin zum Gerichte auf dieſe Welt kommen.“ Das ſind für ſie freilich unauflösliche Widerſprüche, das bleiben ihnen böhmiſche Dörfer, ſo lange, bis ſie durchs Geſetz zur Erkennt⸗ niß ihrer Sünden und durchs Evangelium zur Erkenntniß der Gnade Gottes in Chriſto JEſu gekommen ſind. Dann wird von ihren Augen die Decke und der Vorhang weggethan, die vor ihnen ſo gut hängt wie vor den Augen der Juden, in deren Schulen noch auf alle Sabbathe das Geſetz und die Propheten geleſen werden. Dann gibt es weiter eine große Klaſſe Bibelleſer, die in der Schrift darum Widerſprüche finden, weil ſie an das Leſen der Schrift zwar nicht ganz ohne alle geiſtliche Erfahrung treten, aber doch mit vorgefaßten Mei⸗ nungen und Anſichten, die ſie nicht aus der Schrift geſchöpft, ſondern anders⸗ woher genommen haben, ſei es vom Pabſt, ſei es von ihrer eigenen, wie ſie ſagen, erleuchteten Vernunft. Sagt dann die Schrift etwas anderes, als ſie in ihrem Kopf oder Herzen haben — was ja nicht ausbleiben kann —, dann ſagen ſie, die Schrift widerſpreche ſich. So iſt es gewiß kein Wunder, wenn ein Pabſtknecht die Rede JEſu an den Schächer zur rechten Hand: „Wahr⸗ lich, ich ſage dir, heute wirſt du mit mir im Paradieſe ſein“, widerſprechend findet mit den Büchern der Maccabäer, die man ihm für kanoniſch ausgibt, und daß er nicht begreifen kann, wie ſich das reimen ſoll mit der Lehre vom Fegfeuer. Bei denen wiederum, die zwei ſich widerſprechende Willen in Gott annehmen, iſt es gewiß kein Wunder, wenn ſie auch bei Gelegenheit zwei Worte, die Gott geſprochen hat, als einander widerſprechend erklären. Sodann gibt es Leute, die evangeliſch, ja, wohl lutheriſch heißen wollen — und ihre Zahl iſt Legion, zumal auch unter den deutſchen Theologen —, die zwar ſagen, in der Bibel iſt Gottes Wort, die aber nicht zu beken⸗