# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung jemand durch die Apologetik zu einem Chriſten machen, wenn wir auch durch dieſelbe die thörichten Einwürfe der Vernunft oder vielmehr Unver⸗ nunft zum Schweigen bringen. Wie thöricht iſt z. B. der Einwurf gegen die Inſpiration, der ge⸗ nommen iſt von der Verſchiedenheit des Stiles der heiligen Schreiber! Dieſer Einwurf kehrt ſo ziemlich bei allen modernen Dogmatikern wieder. Sie ſchließen ſo: Wäre die Schrift von Gott inſpirirt, dann dürfte nur Ein Stil in der Schrift vorliegen. Aber welchen Stil ſollte denn der Hei⸗ lige Geiſt gebraucht haben? Wollte er in ſeinem eigenen Stil reden, ſo hätte er den himmliſchen Stil gebrauchen müſſen, und den verſtehen wir nicht. Der Apoſtel Paulus war einmal entzückt bis in den dritten Himmel und hörte unausſprechliche Worte, die kein Menſch ſagen kann. Wenn alſo der Heilige Geiſt zu uns Menſchen reden wollte, ſo mußte er ſeinen Stil im Himmel laſſen, oder er konnte nicht mit uns in Verkehr treten. Welchen menſchlichen Stil ſollte er nun wählen? Es gibt keinen Stil in abstracto. Der Stil iſt immer etwas Concretes, findet ſich immer an den einzelnen Perſonen, die ihn gebrauchen. So mußte der Heilige Geiſt, da er einen menſchlichen Stil verwenden wollte, den Stil der einzelnen Menſchen gebrauchen, durch die er reden wollte; alſo wenn er durch Moſes redete, ſo gebrauchte er Moſis Stil, wenn durch Johannes, des Johannes Stil ꝛc. Woher kommt es aber, daß es zuweilen den Anſchein hat, als widerſpreche ſich die heilige Schrift? Die Antwort auf dieſe Frage iſt eigentlich dieſelbe, die wir denen geben, welche fragen, warum es denn in der Schrift ſo viele dunkle Stellen gebe, da ſie doch klar und deutlich iſt. Es hat das ſeine verſchiedenen Urſachen. Keine davon liegt in der heiligen Schrift ſelbſt, alle liegen im Menſchen. Keine davon liegt, eigentlich zu reden, in Gott, man müßte denn mit Auguſtinus und anderen ſagen, wenn ſie darüber ſprechen, warum z. B. die Evangeliſten in ihren Berichten auseinandergehen: „Dem Geiſte des HErrn hat es gefallen, ſie ſo in ihren Berichten auseinandergehen zu laſſen, damit die Gläubigen daraus Luſt zum Forſchen ſchöpfen und um ſo größeren Reichthum finden, die aber nicht glauben wollen, darin den ge⸗ ſuchten Anſtoß ihnen zum wohlverdienten Verderben nehmen.“ Allerdings gibt es zum erſten Bibelleſer, die nicht glauben wollen, die, wie nach Dunkelheiten, ſo nach Widerſprüchen ſuchen. Wenn dieſe Stellen finden, die ſich zu widerſprechen ſcheinen, ſo iſt's ihnen, als hätte jemand ihnen ein großes Geſchenk gemacht. Solche Leute hat es von des Kelſus Zeiten her gegeben und gibt es bis auf den heutigen Tag maſſenhaft. Die ſind's auch, welche, wenn ein einfältiger Menſch ohne Mühe das Räthſel löſt und die wahre Meinung aufweiſt, doch mit Gewalt Widerſprüche münzen und ſtempeln, allerdings ihnen ſelbſt zum wohlverdienten Gerichte.