# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 21 Aus der Debatte. Auf die Frage, ob alle die als Ungläubige anzuſehen ſeien, denen es nicht von vornherein feſtſteht, daß in der Bibel keine Widerſprüche vorhan⸗ den ſein können, wurde Folgendes geantwortet: Wenn geſagt wird, daß einem Chriſten die Wahrheit der heiligen Schrift von vornherein feſtſteht, ſo heißt das nicht: Wer das nicht von vornherein feſthält, iſt kein Chriſt. Auch einem Chriſten kommen, wenn er die Schrift oder die Auslaſſungen ihrer Gegner lieſt, hie und da Bedenken, wie doch die Sache ſich verhalten möge. Wir ſagen ſogar: Es iſt möglich, daß jemand ein wahres Kind Gottes iſt, ohne auch nur zu wiſſen, daß es eine Bibel gibt. Durch die Predigt eines Miſſionars kann das Geſetz Gottes die Herzen zerſchlagen und das Evangelium ſie wieder tröſten. So kommt dann ein Heide zum Glauben und hat doch noch nicht erfahren, daß es eine heilige Schrift gibt, noch viel weniger hat er Vorträge darüber ge⸗ hört, daß es keine Widerſprüche in der Schrift gibt. Es iſt auch nicht nöthig, daß ihm die wahre Beſchaffenheit der Schrift gleich bekannt iſt. Aber wenn jemand durch den Glauben ein Chriſt geworden und als ein Kind Gottes in das Haus Gottes, die chriſtliche Kirche, eingetreten iſt, und wenn ihm nun hier das einzigartige Buch entgegentritt, das Gottes Wort iſt und ſich ſelbſt als Gottes Wort gibt, dann erkennt auch das Kind Gottes dies Buch als Gottes Wort, als das Hausbuch der chriſtlichen Kirche. Wer aus Gott iſt, erkennt gerade die Rede Gottes als Gottes Wort. Darum gilt für einen Chriſten das Wort als ſelbſtverſtändlich: Die Schrift kann nicht gebrochen werden. Darum nimmt auch ein Kind Gottes die Schrift als unverbrüchliche Wahrheit an. Wenn ein Chriſt ſagen wollte: Die Schrift iſt nicht Gottes Wort, ſo wäre das gerade ſo unnatürlich, als wenn ein Kind im Hauſe ſagte: Ich kenne die Stimme meines Vaters nicht. Darum haben unſere Väter geſagt, Fragen, durch welche die Göttlichkeit der Schrift in Zweifel gezogen wird, ſollten eigentlich in der Kirche gar nicht auftauchen. Aber die Chriſten ſind nicht rein Kinder Gottes: ſie haben noch die alte Art an ſich, und inſofern ſie Fleiſch an ſich haben, ſteigen in ihnen auch Zweifel auf über die Thatſache, daß die Schrift Gottes Wort iſt. Inſofern ſie zweifeln an Urſprung und Anſehen des Wortes Gottes, ſind auch ſie zu behandeln wie Ungläubige. Dem Fleiſche nach dient ihnen die Apologetik wie den Ungläubigen, nämlich dazu, daß dadurch das Fleiſch äußerlich ein wenig im Zaume gehalten werde. Dabei bleibt feſt ſtehen, daß niemand durch die Apologetik zum Glauben kommt. Setzen wir den Fall, es fände jemand gar keine Widerſprüche mehr in der Schrift in Bezug auf Chronologie u. dgl., alle ſcheinbaren Widerſprüche wären ihm voll⸗ ſtändig gelöſt, aber es wäre nichts weiter in ihm als dieſer menſchliche Glaube an die Wahrhaftigkeit der Schrift, ſo wäre er noch völlig ein Un⸗ chriſt und ſtände außerhalb des Reiches Gottes. So wenig kann man