# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung Ganz mit Recht ſagt daher Althamer in der Vorrede zu ſeinem früher erwähnten Werke: „Wie viele habe ich geſehen und gehört, welche die heilige Schrift der Widerſprüche anklagen. Als ob der Heilige Geiſt, der Meiſter der Schrift und Meiſter der Wahrheit, ſich Widerſprechendes vorgetragen habe, ſo daß ein frommer Leſer irre werden müßte an der Schrift, unſicher und zweifelhaft, wenn zwei Stellen einander anſcheinend widerſprechen, welcher er folgen, welcher er trauen dürfe. Wäre wirklich ein Widerſpruch, wie könnte ein Leſer der Schrift zu einer Ueberzeugung kommen, was darin feſt und gewiß ſei? Wer könnte unterſcheiden Ge⸗ wiſſes vom Zweifelhaften, Sicheres vom Unſicheren, Gutes und Böſes, Licht und Finſterniß? Weit entfernt ſei ein ſolcher Gedanke von einem chriſtlichen Gemüthe! Die heilige Schrift ſtreitet nicht mit ſich ſelbſt. Sie hat keinen Widerſtreit der Meinungen, ſondern ſtimmt aufs beſte und ge⸗ naueſte überein, wenn nur ein gläubiger, achtſamer und verſtändiger Leſer da iſt. Nicht die Schrift ſtreitet mit ſich, ſondern es ſtreitet mit der Schrift die Kritik, welche ihre Vernunft nicht gefangen nehmen will unter den Ge⸗ horſam des Glaubens. Die Kritik hat ihre Brille; dadurch ſieht ſie alles roth oder ſchwarz. Nicht das Object, ſondern die Brille iſt ſchuld, daß die Kritiker nicht die rechte Form der Dinge erkennen. Bringſt du ein reines Glas mit, ſo ſtimmt die Schrift. Umgekehrt geht das Wort der Schrift in Erfüllung: ‚Bei den Reinen biſt du rein, bei den Verkehrten biſt du verkehrt.‘ ... Es gibt freilich einige fromme, ehrliche Leute, die aus Un⸗ wiſſenheit und Einfalt die Schrift für ſelbſtwiderſprechend halten. Wenn aber dieſe unter Anrufung Gottes die heilige Schrift leſen, wenn Schrift mit Schrift verglichen wird, dann werden ſie ohne Zweifel bald einſehen, wie die Schrift mit ſich eins iſt. Daher iſt eben Uebung in der Schrift und im Leſen der Schrift vonnöthen. Dieſe Uebung bedarf man in der Schrift ebenſo wie in anderen Künſten. An dieſer Uebung hat es im Pabſt⸗ thum gefehlt. Da gibt es eben viele Paſtoren, die dem Bibelſtudium keinen Fleiß zuwenden, Bauchdiener, faules Volk, das in der Kindheit nichts ge⸗ lernt hat und, anſtatt ordentlich zu ſtudiren, den Zuhörern nur elende Legenden vorführt. Die maßen ſich gleichwohl doch die Seelſorge an. Denen geht's dann, wenn ſie einmal in die Schrift gerathen, wie dem Hahne, der auf dem Miſte einen Edelſtein findet und ſeinen Werth nicht erkennt. Würden ſie fleißig in der heiligen Schrift leſen, ſo würden ſie den Werth der einen köſtlichen Perle und deren Gebrauch bald erkennen lernen, würden auch bald erfahren, wenn ihnen ſcheinbar Widerſprechendes aufſtößt, daß die Vergleichung der Stellen die Einheit ſchafft. ... Vor allem aber: In der Schrift ſpricht die Wahrheit ſelbſt, ſpricht der Mund Gottes, der die Wahrheit iſt und der auch nichts Ueberflüſſiges vorbringt. Gottes Mund iſt nicht wandelbar und unbeſtändig. Bei Gott iſt keine Veränderung noch Wechſel.“