# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 19 Kenntniß oder ihres Mangels an Urtheil etwas weggelaſſen wurde, was hätte geſagt, oder etwas hinzugefügt wurde, was hätte wegbleiben ſollen. Und endlich behaupten wir auch dies: Der Heilige Geiſt hat die hei⸗ ligen Schreiber geleitet, wie ſie ſchreiben ſollten. Es iſt wahr, ſie ſchrie⸗ ben ihren Stil, jeder ſeinen eigenen. Es iſt nicht, als wenn der Herr Vor⸗ ſitzer uns etwas dictirte; da hätte dann eben jeder nur den Stil des Herrn Vorſitzers und nicht nebenbei den ſeinen auch, und mancher könnte dabei denken: Wenn ich freie Hand hätte, würde ich mich ſo oder ſo ausdrücken. Das war aber bei den heiligen Menſchen Gottes nicht ſo. Petrus hat einen andern Stil als Paulus, Paulus einen andern als Johannes, und das iſt ſo deutlich, daß man es nicht nur im Urtext, ſondern auch noch recht gut in Luthers unübertrefflicher Bibelverdeutſchung ſpürt. Der Heilige Geiſt hat ſich eben, wie man das ganz paſſend ausdrücken kann, dem Stile der heiligen Schreiber anbequemt; keiner hat, ſo zu ſagen, wider den Strich ſchreiben müſſen. Weil nun dem ſo iſt, weil alſo die heiligen Schriftſteller unter einem ſo außerordentlichen Einfluſſe des Heiligen Geiſtes geſchrieben haben, wie nach ihnen niemand mehr und zu ihrer Zeit außer ihnen kein Schriftſteller, ſo ſagen wir auch: Die heilige Schrift kann ſich nicht widerſprechen, wenn⸗ gleich Gott ſich der Mittelsperſonen bedient hat, um durch ſie ſein Wort an uns gelangen zu laſſen. Der Heilige Geiſt, der ein Geiſt der Wahrheit heißt und iſt, der ſie inſpirirte und in alle Wahrheit leitete, kann ſie nicht auch zugleich in Irrthum und Unwahrheit geleitet oder auch nur darin ge⸗ laſſen haben, kann ſich ſelbſt nicht widerſprechen. 3. Die heilige Schrift müßte ſonſt aufhören, eine Norm und Richtſchnur chriſtlichen Glaubens und Lebens zu ſein. Dies dritte Argument ſoll hier nur ganz kurz zum Abſchluß dieſes Theiles unſerer Verhandlung beſprochen werden. Die heilige Schrift bezeichnet ſich ſelbſt als Norm und Richtſchnur des Glaubens und Lebens; als ſolche will ſie gelten und geachtet ſein. Jeſ. 8, 23.: „Nach dem Geſetz und Zeugniß; werden ſie das nicht ſagen, ſo werden ſie die Morgenröthe nicht haben.“ Joh. 12, 48.: „Wer meine Worte nicht aufnimmt, der hat ſchon, der ihn richtet; das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am jüng⸗ ſten Tage.“ Sie bezeichnet ſich als nütze, nicht allein zur Lehre, ſondern auch zur Strafe der falſchen Lehre. Als ſolche Norm gebrauchte ſie Chriſtus ſeinerſeits, gebrauchte er das Alte Teſtament; als eine Norm wurde ſie be⸗ nutzt von den frommen Königen des alten Teſtaments, welche eine refor⸗ matoriſche Thätigkeit ausübten. Und dies ihr Amt zu richten, ja, unfehl⸗ bar zu entſcheiden, würde, ja, müßte die heilige Schrift verlieren, wenn es in ihr wirklich und wahrhaftig Widerſprüche gäbe. Dies ſind alſo die Hauptargumente, die es einem Chriſten von vorn⸗ herein unmöglich machen zu glauben, daß die heilige Schrift ſich ſelbſt widerſprechen könne.