# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung die Offenbarung deſſen, was ſie nicht wiſſen konnten — etwas anderes als dieſe beiden, ſage ich, iſt die Inſpiration, die in Bezug auf den Inhalt, auf den Stoff, den ſie zu ſchreiben hatten, darin beſtand, daß der Heilige Geiſt ſie trieb, zu dem beſtimmten und beſonderen Zweck, zu welchem ſie ſchreiben ſollten, das und gerade das aus dem, was ſie wußten und ihnen offenbart war, auszuwählen, und nichts anderes, und daß er ſie dann bei der Nieder⸗ ſchrift vor allem Irrthum, vor allen Gedächtnißfehlern und vor alle dem, was menſchlicher Geſchichtsſchreibung an Schwäche anhaftet, vollkommen bewahrte. Ich will dies an einem Beiſpiel aus dem gewöhnlichen Leben etwas verdeutlichen. Geſetzt, unſer Herr Vorſitzer ſagte zu allen unter uns, die Theologie ſtudirt haben: Setzt euch hin und ſchreibt jeder die zwölf wich⸗ tigſten Thatſachen aus der Kirchengeſchichte ſeit dem allgemeinen Concil von Nicäa 325 auf ein Stück Papier. Was würde geſchehen? Wir wiſſen ja alle nicht bloß zwölf, ſondern zehnmal zwölf und mehr Thatſachen aus der Kirchengeſchichte; wir müßten alſo Kritik üben und thäten es, der eine ſo, der andere anders, je nachdem ſeine Kenntniß der Kirchengeſchichte oder ſein Urtheil beſchaffen iſt. Da würden wir wahrſcheinlich alle ſchreiben: 1. Auftreten des Athanaſius; 2. des Auguſtin; 3. Gregor VII. treibt die Anſprüche des Pabſtthums auf die Spitze; 4. Hus; 5. Luther; 6. Ab⸗ ſchluß und Einführung des Concordienbuches; 7. — ja, was nun? Wollen lieber gleich ſagen: 12. Gott ſchenkt der lutheriſchen Kirche Americas in Dr. Walther einen gewaltigen und treuen Zeugen. Das würden wir wohl alle ſchreiben; da ſind aber nur ſieben Punkte, die uns gemeinſam waren, und der Herr Vorſitzer hat zwölf verlangt. Die fünf andern würden wir wohl nicht alle gleich haben; der eine würde vor, der andere nach der Reformation einige Data einſchieben. Aber weiter: Wenn der Herr Präſes nun zu einer Gruppe von uns ſagte: Ihr ſchreibt aus der Kirchengeſchichte die zwölf wichtigſten Data auf, die auf die Ausbreitung des Evangeliums in der Welt Einfluß gehabt haben, und zu der andern Gruppe: Ihr die zwölf wichtigſten Lehrſtreitigkeiten; zu einer dritten Gruppe: Ihr die Namen der bedeutendſten Kirchenſchriftſteller — dann hätten wir zwar alle über den⸗ ſelben Zeitraum zu berichten, aber in ganz verſchiedenen Richtungen. Es würde ſich dann mancher Name und manches Ereigniß in mehr als Einer Reihe finden, aber immer in einem andern Licht und in einer andern Ver⸗ bindung. Die Verſchiedenheit würde wohl noch ſpürbarer ſein als im erſten Falle, und auch an Gedächtniß⸗ und Urtheilsfehlern würde es nicht mangeln. Nun, um bei den vier Evangeliſten zu bleiben: Sie ſchrieben alle über Einen Zeitraum, über dasſelbe Leben JEſu bis zu ſeiner Auferſtehung von den Todten, aber jeder hatte von Gott zugleich ſeine beſondere Aufgabe erhalten, und der Heilige Geiſt hat ſie dabei ſo geleitet, daß ſie gerade das, was dem ihnen vorgeſteckten Ziele diente, der Wahrheit getreu und ohne jeden Irr⸗ thum beſchrieben haben, alſo ohne daß durch Schuld ihres Mangels an