# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 17 Es iſt durchaus nicht meine Abſicht und Aufgabe, hier die ganze Lehre von der Inſpiration vorzuführen; daß die heilige Schrift inſpirirt iſt, ge⸗ hört vielmehr zur Vorausſetzung, zum Unterbau meiner Arbeit. Aber einige dieſer Lehre zugehörige Punkte will ich berühren, weil ihre Beachtung für un⸗ ſere nachfolgende Beſchäftigung von der allergrößten Wichtigkeit iſt. Wenn ſich die heiligen Schreiber „Griffel eines guten Schreibers“ (nämlich des Heiligen Geiſtes) nennen, ſo verſteht das ja niemand von uns ſo mecha⸗ niſch, wie man es uns Lutheranern manchmal andichtet, als wären die hei⸗ ligen Schreiber nicht lebendige, ſondern todte Werkzeuge des Heiligen Gei⸗ ſtes geweſen. Ein bloßer Griffel freilich weiß ja nichts und fühlt nichts; er muß ſich nur brauchen laſſen und iſt nichts als ein todtes Werkzeug. Von den heiligen Schreibern aber lehren wir, daß ſie lebendige Werkzeuge des Heiligen Geiſtes waren; aber wir unterſcheiden, was ſie für ſich auch als Gläubige geweſen ſind, von der Einwirkung des Heiligen Geiſtes, die wir Inſpiration nennen. Wenn der Apoſtel Paulus Nachricht bekommt: So und ſo ſteht's in Corinth, ſo in Galatien; wenn der Evangeliſt Lucas in Erfahrung bringt, Theophilus ſteht in Gefahr, durch allerlei falſche Aufzeichnungen über das Leben JEſu irregeleitet zu werden und vielleicht allerlei für wahr anzu⸗ nehmen, was nicht wahr und nicht verbürgt iſt: dann bleiben ſie nicht empfindungslos und auch nicht ohne menſchliche Entſchlüſſe. Da brennt dem Paulus das Herz im Leibe, da will Lucas von Augen⸗ und Ohren⸗ zeugen der evangeliſchen Geſchichte alles genau erkunden und thut's auch. Und da tritt nun der Heilige Geiſt ein und treibt den einen wie den an⸗ dern, daß er ſchreibe, und daß er ſo ſchreibe, wie er ſchreibt. Die hei⸗ ligen Männer Gottes haben geredet — mündlich und ſchriftlich —, getrieben durch den Heiligen Geiſt. Ferner ſagen wir, der Heilige Geiſt hat den heiligen Schriftſtellern auch eingegeben, was ſie ſchreiben ſollten, den Stoff alſo. Auch dies iſt nicht ſo zu verſtehen, als hätten ſie ohne Inſpiration und unmittelbar vor der Inſpiration von dem, was ſie ſchreiben ſollten, rein gar nichts ge⸗ wußt. Moſes hat das, was im zweiten bis fünften Buche Moſis geſchrieben ſteht, allermeiſt miterlebt, und ſicher hat er, ehe er einen Buchſtaben ſchrieb, auch die Hauptereigniſſe gewußt, deren Beſchreibung ſein erſtes Buch an⸗ füllt. Matthäus und Johannes waren Jünger JEſu, von ihm berufen, ſind mit ihm aus⸗ und eingegangen, haben miterlebt, was ſie Jahre her⸗ nach erſt geſchrieben haben, haben viel mehr noch gewußt, als was ſie ge⸗ ſchrieben haben, mehr Reden und mehr Wunder JEſu, die ſie uns hätten ſchildern können. Auch bei Marcus und Lucas, die nicht zu den Zwölfen gehörten, läßt ſich immer auch an eine menſchliche, apoſtoliſche Quelle den⸗ ken, aus der ſie ihre Nachrichten haben konnten. Aber etwas anderes iſt dieſes ihr menſchliches Wiſſen, Erfahren und Erkunden, etwas anderes auch