# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung verläſſige Kunde von dem eigentlichen Willen des Königs erlangen. Auch der Fall iſt denkbar, daß der Secretär zwar des Königs Meinung wohl ver⸗ ſtanden hat, aber ſeinem Herrn untreu iſt und deſſen Wort fälſcht; auch in dieſem Falle vernimmt der Unterthan nicht, was des Königs Wille iſt. Nun hat Gott zwar im Paradies und auch hernach öfter ohne Mittelsperſonen zu Menſchen geredet. Die heilige Schrift aber, die ſein Wort und ſeinen Willen an die Menſchenkinder enthält, hat er den Menſchen zugeſtellt durch Mittelsperſonen, nämlich durch die Propheten und Apoſtel. Das waren Menſchen, von Haus aus ebenſo fehlbar wie einer von uns, von Natur aus auch ebenſo der Falſchheit und Heuchelei zugänglich wie einer von uns. Daß dem ſo iſt, darüber kann nicht der leiſeſte Zweifel beſtehen. Das erſtere bezeugen uns die Evangeliſten ſelbſt in mancherlei Weiſe. Wenn ſie uns z. B. mittheilen, wie JEſus geſagt hat: „Des Menſchen Sohn wird über⸗ antwortet werden den Heiden; und er wird verſpottet und geſchmähet und verſpeiet werden; und ſie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferſtehen“, ſo fügen ſie zugleich bei: „Sie aber“ (ſie hätten auch in der erſten Perſon der Mehrzahl reden dürfen) „vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das geſagt war“, obgleich doch ſicher die Worte JEſu an Deutlichkeit nicht das Geringſte zu wünſchen übrig gelaſſen hatten. Das letztere aber bezeugt uns jener Vorgang in Antiochia, von dem Paulus Gal. 2 ſpricht, wo er uns er⸗ zählt, wie er dem Petrus und Barnabas und anderen Juden mit ihnen habe vorwerfen müſſen, daß ſie nicht recht nach der Wahrheit des Evangeliums gewandelt, ſondern Heuchelei in ihren Wandel hätten einfließen laſſen. Wenn dem nun ſo iſt, wie kommt es, daß wir dann doch wagen, von der durch ſolche Männer verfaßten Schrift die Behauptung aufzuſtellen: Sie widerſpricht ſich nicht und kann ſich nicht widerſprechen!? Wir dürf⸗ ten dies in der That nicht thun, nicht wagen, wenn nicht Gott mit dieſen Männern im alten und neuen Teſtamente etwas ganz Beſonderes vor⸗ genommen hätte, was uns doch abſolut verſichert, daß wir in jenen Schrif⸗ ten das widerſpruchsloſe Wort Gottes vor uns haben. Aber Gott hat eben, wie wir wiſſen und glauben, ſo etwas ganz Beſonderes mit ihnen vor⸗ genommen, und das iſt die Inſpiration. Er hat ſie durch ſeinen Hei⸗ ligen Geiſt angetrieben zum Schreiben, er hat ſie beim Schreiben, wie bei ihrem öffentlichen Lehren und Predigen, vor allem Irrthum bewahrt und in alle Wahrheit geleitet, ſo daß es eben darum auch unmöglich iſt, daß die heiligen Schriften einander widerſprechen. Indem wir die Schrift des Alten und Neuen Teſtamentes vor uns haben, können wir ebenſo ſicher ſein, daß wir Gottes und nur Gottes Wort und Willen vor uns haben, als der ſicher ſein kann, ſeines Königs ungefälſchte Willensmeinung vor ſich zu haben, der entweder ein Handſchreiben des Königs ſelbſt oder ein Schrift⸗ ſtück vor ſich hat, das der König ſeinem Secretär in die Feder dictirt und dann eigenhändig unterzeichnet hat.