# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 15 gläubigen Menſchen. Aber mit Unterſchied. Während man den Begriff Wahrhaftigkeit von dem Begriffe des Menſchen trennen kann, kann man ihn von dem Begriffe Gott nicht trennen; bei Gott iſt die Wahrhaftigkeit ein unveränderliches und unverlierbares Attribut. Der Menſch, der heute das Lob der Wahrhaftigkeit hat, kann morgen lügen; aber Gott kann nicht lügen. Er iſt nicht bloß wahrhaftig, ſondern die Wahrheit ſelbſt. Menſchen ertheilt man das Lob der Wahrhaftigkeit, wenn das, was ſie ſagen, mit der Wirklichkeit ſtimmt, wenn auf ihr Wort Verlaß iſt, wenn ſie halten, was ſie verſprechen. Ein Mann ein Wort, ein Wort ein Mann, ſagt man darum im Sprüchwort. Auch bei Gott gilt es als erwieſen, daß er wahrhaftig iſt, wenn man darauf hinweiſt, daß ſein Wort wahrhaftig iſt. Darum führt man mit Recht in den Katechismen zum Beweis für die Wahr⸗ haftigkeit Gottes ſelbſt den Bibelſpruch an: „Des HErrn Wort iſt wahr⸗ haftig, und was er zuſagt, das hält er gewiß“, Pſ. 33, 4. Wenn ich ver⸗ geſſen habe, wann der dreißigjährige Krieg war, und ſage dem Lehrer auf ſeine Frage: 1648 bis 1678, dann ruft er aus: „Falſch!“ Damit will er nicht ſagen, daß ich ein falſches Herz habe. Das könnte er nur ſagen, wenn er ganz ſicher wäre, daß ich es auch in dem Augenblick beſſer wußte, ſon⸗ dern er will ſagen, daß mein Mund falſch, unwahr, unrichtig geredet habe. Bei Gott iſt nun die Möglichkeit, daß er Unwahres, Unrichtiges, Falſches rede, ſchon um deswillen ausgeſchloſſen, weil er allwiſſend iſt. Er vergißt nicht; er redet nicht ſolches, wovon er nur unklare, ungenaue, verworrene Kunde hat. Bei ihm iſt nicht nur das abſolute Wiſſen um die Wahrheit, ſondern auch der abſolute Wille, ſie und nur ſie zu ſagen. Das iſt, wie geſagt, vom Begriffe Gottes untrennbar; darum heißt er nicht bloß wahr⸗ haftig, ſondern die Wahrheit ſelbſt. Hat ſchon Paulus von ſich geſagt: „Bei mir iſt Ja Ja, und Nein iſt Nein“, 2 Cor. 1, 17., und will damit der Wahrhaftigkeit und Lauterkeit ſeiner Geſinnungen gegenüber den Corin⸗ thern Nachdruck geben, ſo kann noch viel weniger bei Gott das Ja zugleich ein Nein und das Nein zugleich ein Ja ſein. Mit anderen Worten: Gott kann ſich in ſeinem Worte nicht widerſprechen. Wer daher die heilige Schrift noch Gottes Wort nennt und ſie wirklich dafür hält, der muß zu⸗ gleich damit bekennen: Es iſt unmöglich, daß ſie ſich widerſpreche, weil es unmöglich iſt, daß Gott ſich widerſpricht. Ja, man muß Gottes Wort mit der Wahrheit ſelbſt identificiren, wie es der HErr Chriſtus thut, da er ſpricht: „Heilige ſie in deiner Wahrheit; dein Wort iſt“ (nicht bloß wahr⸗ haftig, ſondern) „die Wahrheit.“ Das iſt das erſte Argument. 2. Die heilige Schrift iſt inſpirirt. Wenn ein König einem ſeiner Unterthanen ſeinen Willen kund thun will, ſo thut er das in der Regel nicht perſönlich, ſondern durch eine Mittelsperſon, etwa durch ſeinen Secretär. Da iſt es nun wohl möglich, daß der Secretär den Sinn und die Meinung des Königs nicht recht aufgefaßt hat. Iſt das der Fall, ſo kann auch beim beſten Willen des Secretärs der Unterthan keine genaue und zu⸗