# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 14 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung in der heiligen Schrift Widerſprüche annimmt. Denn bei allen Stellen, die ſich zu widerſprechen ſcheinen, können wir nachweiſen, daß ein Aus⸗ gleich möglich iſt. Die Apologetik aber muß von der chriſtlichen Kirche im Hintergrunde gehalten werden; ſowie ſie in den Vordergrund geſtellt wird, wird alles verkehrt. Darum iſt die Apologetik der modernen Theo⸗ logen durch und durch falſch; dieſe Leute wollen erſt nachweiſen, daß die chriſtliche Lehre doch eigentlich ganz vernünftig iſt, und erſt hinterher mit der Verkündigung dieſer Lehre kommen. Das heißt alles auf den Kopf ſtellen. Wir treten vor die Welt hin mit der Predigt des Evangeliums und der des Geſetzes, die damit verbunden iſt, und treiben nur nebenbei Apologetik. Wir ſagen gelegentlich: Ihr ſeid Narren, die ihr bei den ſcheinbaren Widerſprüchen in der Schrift anfangt, denn auch nach der ge⸗ ſunden Vernunft muß man ſagen, daß da ein Ausgleich möglich iſt. Als chriſtliche Kirche haben wir das Evangelium nicht zu vertheidigen, ſondern zu predigen, haben das Chriſtenthum nicht vor der Welt zu entſchuldigen, ſondern zu bekennen. In dieſem Sinne ſagen wir: Die Kirche muß die Apologetik im Hintergrunde halten; im Vordergrunde muß bleiben die Be⸗ zeugung des Evangeliums. Doch iſt die Apologetik nicht unnütz. Was war es ſchließlich anderes als Apologetik, wenn der HErr Wunder that? Durch Wunder kommt niemand zum Glauben; ſie geſchehen um der Un⸗ gläubigen willen. Sie hatten ihren Werth, ſind nach einem häufig ge⸗ brauchten Vergleiche etwa anzuſehen wie Glocken; durch deren Ton kommt auch niemand zum Glauben, aber doch kann das Glockenläuten dazu helfen, daß jemand durch die Predigt des Evangeliums zum Glauben kommt, wenn ihn nämlich der Glockenſchall veranlaßt, zur Kirche zu gehen. So können auch apologetiſche Gründe eine Veranlaſſung werden, daß jemand, der ſich vorher fernhielt, nun zur Kirche geht, weil ihm ein Vorurtheil genommen iſt. Die heilige Schrift kann ſich nicht widerſprechen. Einem Chriſten ſteht es allerdings von vornherein feſt: Die heilige Schrift kann ſich durchaus nicht widerſprechen; denn: 1. Sie iſt als das Wort Gottes wahrhaftig. Iſt die Schrift wirklich Gottes Wort, ſo muß ſie wahrhaftig ſein, denn Gott iſt wahrhaftig. Daß alle Menſchen falſch und Lügner ſind, bezeugen Schrift und tägliche Erfahrung gleichermaßen. Daß Gott wahrhaftig iſt und ſein muß, das bezeugen die Schrift und die natürliche Offenbarung, die auch der gefallene Menſch noch hat, gleichermaßen. Man findet auch bei den Heiden, daß ſie der Gottheit das Prädicat der Wahrhaftigkeit zuerkennen. Gott zu denken und ſich ihn dabei als unzuverläſſig, lügenhaft, ſich ſelbſt widerſprechend zu denken, das iſt ein Widerſpruch in ſich ſelbſt. Die Wahr⸗ haftigkeit iſt, wie man das heutzutage nennt, ein ſittliches Attribut, eine Eigenſchaft des Willens. Sie wird nicht bloß im täglichen Leben, ſondern auch in der Schrift wohl auch Menſchen zugeſchrieben, nämlich frommen,