# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1902. 13 Franzoſen Ernſt Renan gehört, die zum Theil noch mit ganz anderen Waffen als der Wolfenbütteler Fragmentiſt Chriſtum und die Schrift ange⸗ griffen haben. Groß, ſehr groß iſt auch die Zahl der ihnen entgegengeſetzten Schriften geweſen. Aber da kaum eine darunter iſt, die ganz herzhaft zu behaupten wagt, die heilige Schrift widerſpreche ſich nicht, wirklich nicht, nirgends, ja, ſie könne ſich gar nicht widerſprechen, ſo will ich ſie hier weiter gar nicht erwähnen, ſo viel Schätzbares auch in vielen derſelben zu finden iſt. Allen, oder doch faſt allen dieſen Apologeten geht eben die Er⸗ kenntniß ab, daß es allerdings, wie man das auszudrücken pflegt, ein be⸗ rechtigtes dogmatiſches Poſtulat iſt, daß die heilige Schrift ſich nicht wider⸗ ſprechen kann. Aber darum iſt es auch noth, ſich über dieſen Punkt ganz klar zu werden. Aus der Debatte. Den neueren Apologeten fehlt zweierlei: erſtens, daß ſie keinen rich⸗ tigen Inſpirationsbegriff, und zweitens, daß ſie eine ganz verkehrte An⸗ ſicht vom Worte Gottes haben. Als eigentliches Gotteswort gilt ihnen die Quinteſſenz der Heilslehre. Sie vertheidigen das Wort Gottes mit großer Macht, bezeichnen es als Quelle und Grundlage unſeres Glaubens und er⸗ klären darum auch, daß keine Widerſprüche darin ſeien. Dabei beſchränken ſie ſich aber auf die Materie der Glaubensſätze und derjenigen Sprüche, die vom Glauben zur Seligkeit handeln, und ſagen etwa ſo: Was ſchadet es, wenn die Evangeliſten einander in äußerlichen Dingen, z. B. in Zeitangaben, widerſprechen? Das berührt unſeren Glauben gar nicht, und die Bibel iſt trotzdem Gottes Wort. Dieſe falſche und gefährliche Stellung ſuchen ſie ſogar dem Auguſtinus aufzuhängen, ja, ſie ſcheuen ſich nicht zu behaupten, daß Luther ebenſo geſtanden habe (ſo z. B. Dieckhoff). Ihnen gegenüber muß man, da ſie noch vorgeben, Lutheraner zu ſein, ſagen: Gott bewahre mich vor meinen Freunden! Für einen Chriſten iſt die Frage, wie es um die Schrift ſteht, beſon⸗ ders, ob Widerſprüche darin vorkommen, von vornherein entſchieden durch Stellen wie Joh. 10, 35., und wenn ſich daneben noch Bedenken zeigen, ſo iſt es gewiß, daß ſie aus dem Fleiſche kommen. Wenn Chriſtus ſagt: „Die Schrift kann nicht gebrochen werden“, ſo iſt das ebenſoviel, als wenn er ſagte: In der Schrift gibt es keine Widerſprüche. Denn gäbe es da Widerſprüche, ſo würde entweder die eine oder die andere, oder auch beide Stellen würden gebrochen werden. Es iſt das ein gerade ſo beſtimmtes Wort Chriſti, als wenn er ſagt: „Alſo hat Gott die Welt geliebet.“ Aber wenn auch für einen Chriſten die Frage von Widerſprüchen in der Schrift von vornherein entſchieden iſt, ſo iſt daneben feſtzuhalten, daß der Chriſt noch Fleiſch an ſich hat, und dem Fleiſche wird äußerlich ein Schlag auf den Kopf gegeben, wenn in der Apologetik geſagt wird, daß man eigentlich närriſch und thöricht iſt, auch vor dem Urtheile der Vernunft, wenn man