# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung zutage ein Menſch den Verſuch macht zu beweiſen, die Schrift widerſpreche ſich, und Stellen aus ihr einander gegenüberſtellt, was für einen kläglichen Eindruck macht dann oft ſchon das bloße Verzeichniß; es enthält oft lauter Nebenſachen, Kleinigkeiten, die unter hundert Bibelleſern noch nicht fünfen auffallen. Schon an der Auswahl merkt man da oft, daß dem Manne alle geiſtliche Erkenntniß fehlt, ſo daß man an das Wort Bomhards erinnert wird: „Es ſind Leute, denen die Kräuterbrühe, in der das Paſſahlamm gereicht wurde, zehnmal wichtiger iſt als das Lamm Gottes ſelbſt, das der Welt Sünde trägt.“ Dagegen hier bei Althamer ſind es Fragen, die die Hauptſachen des chriſtlichen Glaubens und Lebens angehen; ſie berühren Dinge, die Chriſtum, den Grund unſerer Seligkeit, betreffen und jeden Bibelleſer im Herzen bewegen müſſen. Ich habe von dieſem Buche etwas ausführlichere Nachricht gegeben, weil ich daran den Wunſch knüpfen wollte, daß jemand daraus einen Aus⸗ zug herſtellen möchte, der Bibelleſern noch jetzt recht gute Dienſte leiſten könnte. Das Buch fand damals bei den Lutheranern recht freudige Auf⸗ nahme und höchſtes Lob; den Papiſten aber war es ein Dorn im Auge und ein Greuel. Der Pabſt ſetzte es auf das Regiſter der verbotenen Bücher. Aber Althamer blieb nicht der einzige, der ſich in ſolchem Werk be⸗ mühte. Es kamen noch gar manche ähnliche Bücher in der lutheriſchen Kirche heraus, und auch die reformirte Kirche blieb darin nicht unthätig. Es iſt mir ganz unmöglich, alle dieſe Schriften aufzuführen und auch nur flüchtig ihren Inhalt zu beſprechen. Auch kenne ich ſie nicht alle ſelbſt aus eigenem Gebrauch. Einige Werke will ich jedoch noch nennen. Zunächſt Michael Walthers „Harmonia Biblica“, unſtreitig das umfangreichſte Werk dieſer Art, das 1654 in Nürnberg erſchien. Es hat über 1400 Seiten in Quart und behandelt alle Bibelſtellen vom erſten Buche Moſis bis zur Offenbarung St. Johannis, die bis zu jener Zeit in Widerſpruch zu einander geſetzt worden waren. Beim Evangelium Matthäi z. B. ſind es gleich im erſten Capitel nicht weniger als 17 Verſe, in denen man Widerſprüche mit anderen Stellen hat finden wollen. Voraus ſchickt er auf etwa 50 Seiten eine Abhandlung über die Kunſt, widerſprechend⸗ erſcheinende Stellen auf rechte Weiſe zu vereinigen. Damit behandelt er ein wichtiges Stück der Hermeneutik. Der Verfaſſer iſt ein rechtgläubiger Lutheraner. — Im folgenden Jahrhundert iſt es Lilienthal, der „die gute Sache der göttlichen Offenbarung“ gegen die engliſchen Deiſten in 16 Octavbänden vertritt, auch anderthalb Bände der Widerlegung des Vor⸗ wurfes widmet, daß die Schrift ſich ſelbſt widerſpreche. Freilich haben um deswillen die Angriffe auf die heilige Schrift nicht aufgehört, und der Vorwurf, daß ſie ſich widerſpreche, iſt immer wieder laut geworden. Zu Ende des 18. und in der erſten Hälfte des 19. Jahr⸗ hunderts iſt er beſonders laut geworden. Wer hat nicht ſchon den Namen des David Friedrich Strauß und auch den des viel oberflächlicheren