# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung heiligen Reſpect vor Gottes Wort und jedem Buchſtaben desſelben gibt ſich in dieſer Schrift ein Scharfſinn kund, der keiner Schwierigkeit aus dem Wege geht, ſondern ſie meiſt glücklich löſt, und eine Demuth und Selbſt⸗ beſcheidung, die da wirklich Halt macht, wo menſchliche Weisheit zu Ende iſt. Als im Mittelalter die Bibel unter der Wolke lag, ganz beim Volk, faſt ganz auch bei der Prieſterſchaft, da wurde auch kein Buch dieſer Art und Bedeutung mehr geſchrieben. Die paar Brocken, die in den zweiten 700 Jahren nach Chriſto für ſolche abfielen, die die Frage im Herzen beweg⸗ ten, ob ſich in der Schrift Widerſprüche befinden, ſind ſo kümmerlich und dürftig, daß ſie hier kaum der Erwähnung verdienen. Aber ganz anders wurde das wieder, als durch Gottes Gnade in der Kirchenreformation Luther die Bibel unter der Bank wieder hervorzog und das chriſtliche Volk wieder daran gewöhnte, aus ihr zu lernen, was chriſt⸗ licher Glaube und chriſtliches Leben ſei; als er die heilige Schrift klar und deutlich ins Deutſche übertrug; als die Paſtoren wieder mit Fleiß forſchten, ob ſich's auch alſo hielte, wie Luther, der Prophet der Deutſchen, lehrte; als viele Tauſende und aber Tauſende von Laien nach Luthers Neuem Teſtamente und dann nach ſeiner ganzen Bibel griffen; als der Bibelleſer ſo viele wurden, daß die römiſchen Prieſter ſich tief beſchämt und beſiegt ſahen von Laien, die weit beleſener in der Schrift waren als ſie: da wurde in den Seelen derer, die die Schrift mit Fleiß laſen, auch zum öfteren wie⸗ der die Frage lebendig, wie man ſich doch die mancherlei Schriftſtellen zurecht⸗ zulegen habe, die einander zu widerſprechen ſcheinen. Da ſchrieb denn ſchon im Jahre 1535 der lutheriſche Theologe An⸗ dreas Althamer, ein Freund von Brenz, Veit Dieterich und auch Luther, ein herrliches Buch: „Vergleichung von 200 Schriftſtellen, die ſich dem Anſchein nach widerſprechen.“ Ich kann es mir nicht verſagen, von dieſem trefflichen Buche einiges mitzutheilen. Schon aus der Auswahl der Stellen kann man ſehen, was für ein Mann Althamer geweſen iſt. Wie reimen ſich, fragt er, ſolche Stellen: „Der Sohn ſoll nicht tragen die Miſſe⸗ that des Vaters“, mit: „Ich will heimſuchen die Miſſethat der Väter an den Kindern“; — „Gottes Gaben und Berufung mögen ihn nicht gereuen“, mit: „Es reut mich, daß ich Saul zum Könige gemacht habe“; — „Ich will nicht ewiglich zürnen“, und: „Sie werden in die ewige Pein gehen“; — „Gott erbarmet ſich aller ſeiner Werke“, und: „Welches ich mich erbarme, deß erbarme ich mich“; — „Niemand hat Gott je geſehen“, und das Wort Iſraels: „Ich habe Gott von Angeſicht geſehen, und meine Seele iſt geneſen“; — Chriſti Wort: „Ich richte niemand“, und: „Alles Gericht hat der Vater dem Sohn gegeben“; — „Welche er berufen hat, die hat er auch gerecht ge⸗ macht“, und: „Viele ſind berufen, aber wenige ſind auserwählet“; — „Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand“, und: „Mir iſt gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“; — Chriſti Wort: „Ich ſuche nicht meine Ehre“, und: „Ich bin das Licht der Welt“; — „Gott hat ſeinen