# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S312 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 312 Der Ruhm der lutherischen Kirche. noch andern Glaubensgenossenschaften bekennt, als z. B., daß ein einiger Gott sei, daß der alles erschaffen habe, daß es ein Leben nach dem Tode gebe u. d. gl. m.; sondern das Bekenntniß der eigenthümlich christlichen Wahrheiten;—diese aber bilden nothwendiger Weise den Grund des Christenthums und den Boden der Kirche, mit welchen, wenn sie verläugnet werden, Kirche und Christenthum fallen.— — Ich habe in Nr. 6 ausdrücklich gesagt, daß ich die Lehre Calvins von der Zornwahl für einen schweren Irrthum und daß ich es für gerechtfertigt halte, daß den Reformirten die Theilnahme an unserm Abendmahl versagt werde um der Irrthümer willen. Irrthümer aber, die das rechtfertigen, dürfen nicht geringfügige sein. Aber ich soll der reformirten Kirche es absprechen, die christlichen Grundwahrheiten zu haben und soll sie wie eine taube Nuß wegwerfen, damit herauskomme, daß die lutherische Kirche die einige Christenheit auf Erden sei, außer welcher die seligmachende Wahrheit nicht zu finden sei. Das will ich aber nicht. Ich will nicht eine Christenheit außer der lutherischen Kirche läugnen. Da bewahre mich GOtt vor! Meint Ihr, meine lieben Brüder! in der Furcht Gottes zu behaupten, daß außer der lutherischen Kirche nichts von Kirche Christi auf Erden sei (billig solltet Ihr bei dieser Meinung den Namen „lutherische Kirche“ fahren lassen und statt dessen schlechthin „Kirche Christi“ sagen; denn wozu „lutherisch“ sagen, wenn die Begriffe „lutherisch“ und „christlich“ sich schlechthin decken?): so wisset, daß ich meinen Mund für die entgegengesetzte Meinung wahrlich auch in der Furcht Gottes öffne; denn sonst würde ich viel lieber schweigen. Aber mein Gewissen verbietet es mir, furchtsam zu schweigen, um bei Niemandem anzustoßen und gebietet mir, wider das zu zeugen, was ich für einen gefährlichen Irrthum halte. Ich fürchte mich der Sünde, die handgreiflichsten Wirkungen des Geistes Gottes, z. B. in den von Gemeinen andern Bekenntnisses betriebenen Heidenmissionen anzuzweifeln und nach Möglichkeit zu vernichtigen und Gemeinen, die ihre Kniee in dem Namen JEsu Christi beugen zur Ehre Gottes des Vaters, durch Irrthum zusammengehaltene Haufen zu nennen. Das werde ich, so GOtt mir beisteht, nimmer thun und ob ich darüber, so es möglich wäre, von der lutherischen Kirche verworfen würde;—was doch nimmer geschehen wird, denn die Meinung, die ich bestreite, ist, wie ich vorhin gesagt habe, eine neue und wird, GOtt sei Dank! von im Verhältniß nur sehr wenigen Gliedern der lutherischen Kirche getheilt. Allerdings ist das eine rechte Gemeine, wo das Wort Gottes rein und lauter gelehrt wird und, die es hören, auch heilig darnach leben als Gottes Kinder (und wollte Gott, es stände so in allen Gemeinen, die den Namen „lutherisch“ führen;—aber sollen sie nach diesem Maaßstab gemessen werden—auch bloß nach dem Richtmaaß der Lehre—wo bleiben hunderte von lutherischen Gemeinen?); aber ist denn damit gesagt, daß in Gemeinen, in deren gemeinsamem Glaubensbekenntnisse sich Irrthümer befinden, das Evangelium nicht so gepredigt werden kann, daß es wahrhaftig eine Kraft ist, selig zu machen, die daran glauben? Das ist erweislich der Fall und zwar,