# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1902_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Verhandlungen der neunzehnten Verſammlung widerſprechen. — Die Schrift ſoll endlich im Widerſpruch ſtehen mit den Moral⸗ und Sittengeſetzen, welche eine durch die Erfahrung der Jahrhun⸗ derte geläuterte Ethik als unerſchütterliches Geſetz für die Handlungen der Menſchen vorſchreibe und welche gleichſam als Gemeingut der Culturwelt gelten müßten. Wenn ſolche Anklagen gegen die heilige Schrift ſo recht laut und dreiſt und mit dem Bruſtton der Ueberzeugung vorgetragen werden von Leuten, die dafür gelten, daß ſie etwas wiſſen, mehr wiſſen als andere Leute, ſo er⸗ ſchrickt wohl manchmal auch ein Chriſt ein wenig. Und wenn dann noch der Anſchein eines Beweiſes gebracht und ſo wiſſenſchaftlich geredet wird, daß die Fremdwörter nur ſo in der Luft herumfliegen, ſo denkt er am Ende: Soll denn alles falſch ſein, was der Mann redet oder ſchreibt? Hat er nicht am Ende auch in dem und jenem recht? Der Chriſt iſt ja von Haus aus, gerade ſo wie andere Leute, Fleiſch vom Fleiſch geboren, und das Fleiſch des Chriſten ändert ſich auch nicht durch die Wiedergeburt, auch nicht nach derſelben. Es gilt immer von ihm das Wort: „Der natürliche Menſch ver⸗ nimmt nichts vom Geiſt Gottes; es iſt ihm eine Thorheit, und kann es nicht erkennen, denn es muß geiſtlich gerichtet ſein.“ Darum hat auch der Chriſt von Haus aus nach dem alten Menſchen keinen Gefallen an Gottes Wort; und wenn dieſer himmliſchen Weisheit allerhand Vorwürfe gemacht werden, ſo iſt auch in dem Chriſten immer noch etwas, das gegen dieſe Vorwürfe nicht rebellirt, ſondern daran ſogar einen Gefallen hat. Und wenn der Chriſt dieſem Etwas, ſeinem Fleiſche nämlich, in ſich Raum gibt, ſo ſteht er in großer Gefahr, den empfindlichſten Schaden an ſeiner Seele zu erleiden. Darum hat denn auch die Kirche nie unterlaſſen, dieſer Gefahr Rech⸗ nung zu tragen. Solange die heilige Schrift beſteht, ſind ſolche Vorwürfe gegen ſie erhoben worden; ſolange die Kirche beſteht, ſind ſie von ihr abgewieſen worden. Man nennt dieſe Thätigkeit der Kirche, wenn ſie un⸗ gerechte Angriffe auf das Chriſtenthum und die Schrift zurückweiſt, die apo⸗ logetiſche. So enthalten die Schriften der Apologeten der erſten Jahr⸗ hunderte nach Chriſto, die eines Juſtin, eines Origenes und anderer, überaus viel Material, das man noch heute den Gegnern des Chriſtenthums ent⸗ gegenhalten kann. Selbſt Origenes, der leider lange nicht überall ſeine Vernunft gefangen nimmt unter den Gehorſam des Glaubens Chriſti und ſeines Wortes und der weit davon entfernt iſt, in rechter Einfalt überall der Schrift zu folgen, hat doch, wo er es that, viel Brauchbares geliefert. So mißlungen in ſeiner Vertheidigungsſchrift gegen Kelſus der Theil iſt, wo er ihn von allgemeinen chriſtlichen Ideen aus beſtreitet, ſo viel Schönes ent⸗ hält der Theil, wo er ſeinen Ausſtellungen im Einzelnen nachgeht an der Hand der heiligen Schrift. Und an ſolchen apologetiſchen Werken hat es, wie geſagt, der chriſtlichen Kirche nie gefehlt. Sind neue Einwürfe auf die Bahn gebracht worden, ſo erſtanden ihr auch immer neue Vertheidiger der Lehre und des Wortes Gottes. Ich will nicht unterlaſſen, darauf aufmerk⸗