# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S310 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 310 Der Ruhm der lutherischen Kirche. Selbst Johann Gerhard, der sonst eine gewisse Aengstlichkeit zeigt, in der Lehre von der Gnadenwahl auch nur den Schein zu geben, als ob er der Calvinischen Anschauung sich nähere, schreibt daher dennoch: „Gott ist aber durch keine Verdienste der Menschen, durch keine Würdigkeit des menschlichen Geschlechts, ja auch nicht durch Vorhersehung guter Werke oder des Glaubens, bewogen worden, daß er einige zum ewigen Leben erwählte, sondern es ist dies ganz und gar seiner alleinigen unverdienten unermeßlichen Gnade zuzuschreiben. Ephes. 1, 6. Röm. 11, 5. 2 Tim. 1, 9.“ („Nullis autem hominis meritis, nulla humani generis dignitate, quin nec prævisione bonorum operum vel fidei, motus est Deus, ut quosdam ad vitam æternam eligeret, sed soli indebitæ et immensae ipsius gratiae in solidum hoc asscribendum. Ephes. 1, 6. Rom. 11, 5. 2 Tim. 1, 9.“ cf. Loc. theol. loc. de electione § 52.) (Aus dem Kirchenblatt für die ev.⸗luth. Gemeinen in Preußen. redigirt von Ehlers.) Der Ruhm der lutherischen Kirche.*) Was ich hier niederschreibe ist zunächst für einige Glieder unsrer Kirche bestimmt, die wegen meiner Aussprache über die Kirche in Nr. 6. v. d. J. an mich geschrieben haben, weil sie sich nicht darin finden konnten, daß ich eine christliche Kirche außer der lutherischen annehme, oder mit andern Worten, daß ich die lutherische Kirche nur für einen Theil der Christenheit halte und nicht behaupte, daß außerhalb ihrer keine Christenheit sei. Ich erkenne die gute Meinung an, in der die lieben Brüder mir geschrieben haben und bin überzeugt, daß ihnen aus dem Herzen gekommen ist, was sie in ihrem Briefe sagen. Und weil das, so will ich ihnen auch aus dem Herzen hier Antwort geben, hier, weil sie selbst schreiben, daß nicht sie allein meine Meinung für irrig halten, sondern Andre mit ihnen. Die lieben Brüder fordern mich in herzlicher Liebe auf, meine Meinung nach Gottes Wort zu prüfen und setzen das gute Vertrauen in mich, daß ich zurücknehmen werde, was ich gesagt habe, wenn ich es für irrig befinden sollte. Andrerseits aber erklären sie sich auch bereit, sich belehren lassen zu wollen. Daß sie sich so zu mir stellen, hat mich herzlich gefreut, und ich bezeuge ihnen hier öffentlich, daß, wenn ich zu der Erkenntniß gelangen sollte, etwas Irriges, dem Worte der heiligen Schrift Zuwiderlaufendes gelehrt zu haben, ich den erkannten Irrthum, so mir GOtt hilft, widerrufen werde und zwar so, daß es ein wirklicher, unzweideutiger Widerruf ist. Denn zum Ersten, *) Schon mehrmals haben wir im „Lutheraner“ und in „Lehre und Wehre“ schöne Zeugnisse der Lehre Ehler's von der Kirche mitgetheilt, zuletzt in der 22. Nummer des „Lutheraner“ vorigen Jahrgangs. Auch den obigen Aufsatz theilen wir nun um so lieber mit, als derselbe davon Zeugniß gibt, daß nun auch in der preußisch⸗lutherischen Kirche jene Gährung beginnt, ohne welche eine Läuterung dieser Kirche unmöglich wäre. Möge Gott der Wahrheit bald den Sieg über alle Herzen verleihen und jene Kirche von aller eingeschlichenen Papisterei bald völlig gereinigt werden. D. R.