# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S309 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 309 Die Lehre der Concordienformel von der Gnadenwahl. Daß spätere lutherische Theologen in der Lehre von der Gnadenwahl von der heiligen Schrift abgewichen sind, ist leider! eine Thatsache. Zu denselben gehört u. A. Spener, der in dem von Gott vorhergesehenen Glauben die Ursache der Gnadenwahl sucht. Falsch ist es jedoch, wenn man, wie oft geschieht, diesen pelagianischen Irrthum auch der Concordienformel zuschreibt. Wir lesen eine solche Insinuation wieder in der „Deutschen Zeitschrift für christliche Wissenschaft von Hollenberg in Berlin.“ Darin heißt es im Juniheft l. J.: „Er (Churf. J. Sigismund) leugnete nur, was die Concordienformel aufgestellt, daß die göttliche Erwählung der Begnadigten zum ewigen Leben vor Gott erfolge wegen des von ihm vorhergesehenen Glaubens der einzelnen, weil ihm dadurch die allertröstlichste reformatorische Ueberzeugung, daß der Grund unserer Seligkeit schlechterdings nicht in der Würdigkeit des Menschen, sondern allein in der freien Barmherzigkeit Gottes zu suchen sei, gefährdet erschien.“ Wo in aller Welt aber findet sich irgend ein Ausspruch der Concordienformel, der diese Anklage rechtfertigte? Wohl behauptet die Concordienformel, daß diejenigen erwählt sind, welche beharrlich glauben, nicht aber, daß ein Mensch erwählt sei, weil er beharrlich glaubt; wie denn die Frommen selig werden, aber nicht weil sie fromm sind. Vielmehr spricht die Concordienformel also: „Darum es falsch und unrecht (ist), wann gelehret wird, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursach der Wahl Gottes sei, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählet habe.“ An einer anderen Stelle: „Die ewige Wahl Gottes aber siehet und weiß nicht allein zuvor der Auserwählten Seligkeit, sondern ist auch aus gnädigem Willen und Wohlgefallen Gottes in Christo JEsu eine Ursach, so da unsere Seligkeit und was zu derselben gehöret, schaffet, wirket, hilft und befördert, darauf auch unsere Seligkeit also gegründet ist, daß die Pforten der Höllen nichts dawider vermögen sollen, wie geschrieben stehet: Meine Schafe wird mir niemand aus meiner Hand reißen. Und abermals: „Und es wurden gläubig, so viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.“ Endlich: „Denen geschieht nicht unrecht, so gestraft werden und ihrer Sünden Sold empfangen; an den andern aber, da Gott sein Wort gibt und erhält und dadurch die Leute erleuchtet, bekehret und erhalten werden, preiset Gott seine lautere Gnade und Barmherzigkeit ohne ihren Verdienst. Wenn wir sofern in diesem Artikel gehen, so bleiben wir auf der rechten Bahn, wie geschrieben steht Oseä 13, 9.: Israel, daß du verdirbst, die Schuld ist dein, daß dir aber geholfen wird, ist lauter meiner Gnade.“ Es ist sonach falsch, wenn man den Unterschied der lutherischen und reformirten Lehre von der Gnadenwahl darein setzt, daß nach der ersteren der Grund der Wahl in dem Glauben des Menschen, nach der letzteren lediglich in Gottes Erbarmen durch Christum liege. Der Unterschied betrifft ganz andere Puncte, auf deren Erörterung wir hier nicht eingehen können. *