# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung ja auch die Staatsſchule den Gehorſam gegen die Geſetze; aber das iſt bei ihr leeres, bares Gebot und kann nichts weiter ſein, eine Forderung ohne Begründung, oder doch höchſtens mit der Begründung, daß es weiſer, weil beſſer und vortheilhafter, iſt, den Geſetzen zu gehorchen, als ihnen zu wider⸗ ſtreben. Die Gemeindeſchule könnte auch ſo ſagen: Willſt du als Bürger recht glückſelig ſein, ſo hüte dich, daß du dich nicht mit dem Geſetz in Wider⸗ ſpruch ſetzeſt. Denn an ſich iſt das ja wahr. Und doch wird dieſer Grund nicht Stich halten, ſobald dem Menſchen etwas anderes als noch beſſer und vortheilhafter erſcheint. Das Kind bedarf eines ganz andern Beweggrundes, um zu wahrem Gehorſam erzogen zu werden, des Beweggrundes nämlich, daß Gott dieſen Gehorſam fordert. Die Gemeindeſchule ſchärft den Kin⸗ dern Röm. 13, 1—5. ein und zeigt, daß der Unchriſt dem Geſetz Gehorſam leiſtet nur um der Strafe willen, daß aber der Chriſt das thut um des Ge⸗ wiſſens willen, weil er in ſeinem Gewiſſen die Obrigkeit als Gottes Stell⸗ vertreterin erkennt und darum ihre Geſetze befolgt, einerlei ob ſie ihm zu⸗ ſagen oder nicht. Er nimmt nur den einen Fall aus, daß die Obrigkeit ein Geſetz wider Gottes Gebot erläßt. Denn dann überſchreitet ſie ihre Be⸗ fugniſſe. So wird in der Gemeindeſchule die rechte Grundlage zu der oberſten Tugend eines Staatsbürgers gelegt, dem Gehorſam gegen die Geſetze. Eine andere Tugend iſt die Barmherzigkeit gegen den Näch⸗ ſten und deren beſondere Erweiſung in Verſöhnlichkeit und Vergebung einer Beleidigung. Was ſagt die Staatsſchule davon? Wenn wir die moraliſchen Grundſätze anſehen, welche die Staatsſchule ein⸗ prägt, ſo finden wir darin faſt keine Spur von wahrer Barmherzigkeit. Der oberſte Grundſatz ihrer Moral iſt die Selbſtſucht. Selbſtſucht iſt im Grunde auch die Barmherzigkeit, die der natürliche Menſch übt, wenn er ſeinen natürlichen Gefühlen, dem natürlichen Mitleid gelegentlich Folge gibt, oder in der Hoffnung, etwas zu erlangen, einmal auf ein Recht Ver⸗ zicht leiſtet. Wahre Barmherzigkeit iſt ihm ein lächerlich Ding, Nachgeben und Vergeben hält er für Schwachheit, dagegen nimmt er als ein unver⸗ äußerliches Recht in Anſpruch, daß er ſeinen Feind haſſe und Böſes mit Böſem vergelten dürfe. Die Staatsſchule hat kein Mittel, dieſen argen Sinn zu ändern. Die Gemeindeſchule aber zeigt aus Chriſti Worten Matth. 5, 43—48., daß, wer ein Kind des Vaters im Himmel ſein will, auch barm⸗ herzig ſein muß, wie der Vater im Himmel barmherzig iſt; er darf nicht bloß ſeine Freunde und Wohlthäter, ſondern muß auch ſeine Feinde lieben; er darf nicht Böſes mit Böſem und Scheltwort mit Scheltwort vergelten, ſondern muß ſegnen, wo man ihm flucht. Sie lehrt mit dem Apoſtel Pau⸗ lus 1 Tim. 2, 1—3., daß der Chriſt nicht nur für ſich ſelbſt und ſeine Glaubensgenoſſen, ſondern für alle Menſchen beten, und dabei inſonder⸗ heit der Obrigkeit und ihrer Beamten, wäre es auch ein Nero, vor Gottes Thron gedenken ſoll. Und das wird begründet damit, daß Chriſtus der