# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1900. 39 Daß die Staatsſchule denn auch wirklich nicht leiſtet, was man in dieſer Hinſicht von ihr erwartet, muß jeder ſehen, der nicht alles durch die gefärbte Brille der Selbſtgefälligkeit anſchaut. Wir Lutheraner von der Synodal⸗ conferenz ſind's nicht allein, die es beklagen, daß in Folge der Mangel⸗ haftigkeit der öffentlichen Schule die Tugend in unſerm Lande nicht zu⸗, ſondern abnimmt. Auch aus andern Kreiſen wird dieſelbe Klage laut. So ſchreibt unter anderm der Herausgeber des “Outlook” in der Nummer vom 2. December 1899: „Die meiſten Abiturienten unſerer Schulen und Colleges machen einen Studiengang durch, in dem Religion unbeachtet gelaſſen wird. An ihre Stelle tritt großentheils die Philoſophie und die Sittenlehre. Dies hat zur Folge, daß der Schüler lernt, unabhängig von irgend einem anerkannten religiöſen Einfluſſe (element) zu wiſſen, zu denken und zu fühlen.“ Im “Lutheran Quarterly” (April 1900) ſchreibt M. S. Young: „Es iſt ein hoffnungsvolles Zeichen, daß einige der wortführenden Erzieher unſeres Landes ſich der Gefahr bewußt zu werden beginnen, die darin liegt, daß man die religiöſe und moraliſche Erziehung der Jugend vernachläſſigt. Man hört warnende Worte von forſchenden und einflußreichen Lehrern, wie Präſident Harper von der Chicago University, welcher ſagt: ‚Nur ſchwer läßt ſich vorausſagen, welche Ergebniſſe die gegenwärtige Methode der Erziehung der Jugend in 50 Jahren zu Tage fördern wird. Wir ſchulen in unſern öffentlichen Schulen den Verſtand (mind), aber die mora⸗ liſche Seite der Kindesnatur wird faſt gänzlich vernachläſſigt. Die römiſch⸗ katholiſche Kirche beſteht darauf, dies offenbare Uebel zu beſeitigen, aber unſere proteſtantiſchen Kirchen ſcheinen es vollſtändig unbeachtet zu laſſen. Sie erwarten, daß die Sonntagsſchule gut machen werde, was unſere Staats⸗ ſchulen verſäumen, und das hat zur Folge, daß wir eine Gefahr überſehen, die ſo wirklich und ſo groß iſt, wie irgend eine, der wir ins Geſicht ſehen mußten.‘“ Harper hält mit Recht die ohne Religion aufwachſende Jugend für die größte Gefahr, die unſerm Lande droht, eine Gefahr größer als die Seceſſion des Südens vor vierzig Jahren, als das Ringen der Arbeiter⸗ verbindungen und Capitaliſten, als Monopole und Truſts. Die Gemeindeſchule iſt unter allen Einrichtungen diejenige, die dieſen Gefahren nachdrücklich entgegenarbeiten kann. Wir erkennen das, wenn wir einige Tugenden, die für das bürgerliche und geſellſchaftliche Leben von beſonderer Bedeutung ſind, in Betracht ziehen und darauf achten, wie man in der Staatsſchule und in der Gemeindeſchule zu denſelben erzieht. Die oberſte Tugend eines guten Bürgers iſt der Gehorſam gegen die Geſetze. Beſonders in unſerm Lande der perſönlichen und bürger⸗ lichen Freiheit, wo nicht, wie in einer Monarchie, durch eine ſtarke Polizei⸗ macht die Befolgung der Geſetze erzwungen werden ſoll, wo vielmehr dem Einzelnen möglichſt freie Bewegung gewährt iſt, iſt es um ſo nöthiger, daß der Bürger den Gehorſam gegen die Geſetze im Herzen trage. Nun lehrt