# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung durch welche eine ſichere Grundlage für ein wahrhaft wohlgeordnetes und harmoniſches Staatsweſen geſchaffen werden kann. Freilich ſtoßen wir bei dieſer Behauptung auf vielfachen Widerſpruch. Wenn unſerem americani⸗ ſchen Volk in ſeiner Selbſtgefälligkeit und ſeinem Selbſtbewußtſein irgend etwas feſt ſteht, ſo iſt es die Thatſache, daß unſere Staatsſchule recht eigent⸗ lich der Pfeiler iſt, auf welchem nicht nur der Fortbeſtand und das Gedeihen unſerer Regierungsform, ſondern auch unſerer Civiliſation überhaupt ſicher ruht. Prüfen wir einmal dieſe gerade in letzter Zeit ſo oft gehörte und ver⸗ theidigte Behauptung. Das wird allgemein zugegeben, daß zur Erhaltung und gedeihlichen Entwickelung des Gemeinweſens, zumal des republicaniſchen, bei den Bür⸗ gern ſich die Tugenden finden müſſen, welche zur Erhaltung des richtigen Verhältniſſes und Verhaltens der Menſchen unter einander unbedingt noth⸗ wendig ſind. Die Geſtaltung, die Unterrichtsweiſe, das Ziel der Staats⸗ ſchule drängt uns nun von vorneherein die Ueberzeugung auf, daß ſie keine Gewähr dafür leiſtet, daß die Bürger in dieſen Tugenden wandeln. Sie hat das Wort Gottes nicht als Unterrichtsgegenſtand und nicht als Er⸗ ziehungsmittel; wenn ſie zu ſolchen Tugenden zu erziehen ſucht, wie ſie in der zweiten Tafel des göttlichen Geſetzes gefordert ſind, thut ſie das nicht mit dem Hinweis auf Gottes allerhöchſten Willen, ſondern weiſt nur dar⸗ auf, daß dies und jenes unter Menſchen als gut oder bös anerkannt ſei und dem, der es thue, Nutzen oder Schaden bringen werde. Wahre Tugend kann aber nur dadurch erzielt werden, daß ein Menſch zu einem Chriſten gemacht wird. Kann doch nicht einmal das Geſetz Gottes bei dem ſündigen Menſchen wahre Tugend hervorbringen! Es richtet nur Zorn an. Wie ſollte das bürgerliche Geſetz Höheres ausrichten! Nein, nur durch die Predigt des Evangeliums kann die Tugend in der Menſchen Her⸗ zen gepflanzt werden. Der 119. Pſalm, dieſer herrliche Lobgeſang auf das Wort Gottes, ſagt: „Wenn du mein Herz tröſteſt“, nicht wenn du mein Herz zerſchlägſt mit dem Hammer des Geſetzes, ſondern tröſteſt durch das Evange⸗ lium von der gnädigen Vergebung der Sünde, „ſo laufe ich den Weg deiner Gebote.“ In V. 98. bis 102. hören wir, daß die Weisheit, aus welcher das Meiden der böſen Wege und das Thun des Guten fließt, allein durch Got⸗ tes Wort in unſer Herz kommt, und zwar nicht durch die Forderungen und Drohungen des Geſetzes, ſondern durch die Zeugniſſe von dem, der da iſt gnädig und barmherzig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da beweiſet Gnade in tauſend Glied und vergibt Miſſethat, Uebertretung und Sünde. Wer dieſe Weisheit hat, der unterwirſt ſeinen Willen völlig dem Willen Gottes. Und das iſt dann wahre Tugend, der Habitus, die Ge⸗ wohnheit, aus freiem, nur durch Gottes Wort beſtimmtem Willen das Gute zu thun und das Böſe zu meiden. Solche wahre Freiheit des Willens vermag nur das Evangelium zu geben, welches die Freiheit in Chriſto anbietet und den Gläubigen zueignet. Ohne das Evangelium iſt ſie nicht zu erlangen.