# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S308 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wahre und falsche Exclusivität. 308 mit allen ihren Geistlichen, Lehrern und Gliedern, die fest am Bekenntnisse halten. Und unsre Kirche, meine Herren, soll und muß in diesem richtigen Sinne exclusiv sein. Von einer Partei aber, welche im falschen Sinne des Worts exclusiv wäre, ist mir nichts bekannt. Meine Herren! das aber muß ich bemerken, daß, wenn eine solche Partei noch nicht existirt, so sind die jetzt Mode gewordenen Anfeindungen der Bekenntnißtreue das sicherste Mittel, eine solche Partei hervorzurufen. Aus dem glaubensfeindlichen Lager wird jeder glaubenstreue Geistliche und Lehrer fort und fort beobachtet; und durch dieses beständige Spioniren und Angefeindetwerden, durch das immerwährende und immer heftiger werdende Anklagen und Heruntersetzen in der Presse, durch dies Alles, meine Herren, muß am Ende auch der allerruhigste Mann aus der Fassung kommen. Es kann daher wohl vorkommen, daß auch ein Rechtgläubiger, gerade wenn er recht gläubig sein will, zur Vertheidigung seines Glaubens einmal ein falsches Mittel ergreift und wohl selbst der christlichen Liebe vergißt. Statt nun aber zu bedenken, daß ein bekenntnißtreuer Mensch noch kein Engel ist, sondern immer noch ein schwacher, der Versuchung und Sünde unterworfener Mensch bleibt, beliebt man stets die Fehler, die von Einzelnen gemacht werden, auf Rechnung einer ganzen Partei zu setzen; von den Fehlern aber und von den Extremen im eigenen Lager schweigt wohlweislich die Geschichte, und, meine Herren, wenn es sich darum handelt, nachzuweisen, wo die falsche, die verwerfliche Exclusivität mehr zu Hause sei, so fragt es sich sehr, auf welcher Seite? Wenigstens ist es wahrlich unschwer nachzuweisen, daß Exclusivität und Intoleranz auf jener Seite mindestens nicht fehlen. Hierzu macht die Redaction des Sächsischen Kirchen⸗ und Schulblattes folgende Bemerkung: Wenn noch am vorigen Landtage der bekenntnißfreudigen Rede eines zu unserm herzlichen Bedauern jetzt ausgeschiedenen Kammermitgliedes (des Herrn Bürgermeister Starke aus Bautzen) zwar nicht widersprochen, aber ihr doch ein Dämpfer aufzusetzen für nöthig befunden wurde: so wurde dagegen diesmal auch nicht ein Mißton oder leiser Widerspruch laut, als der Referent, Herr von Erdmannsdorff, für das Recht der Kirche und das Verfahren des Kirchenregiments gegen die Rittnerschen Angriffe in die Schranken trat, mit sicherer Hand das Spinnengewebe der Rittnerschen Phraseologie entwirrte und schlagend nachwies, wie Leute, welche fortwährend die Toleranz im Munde führen und sich gegen Exclusivität ereifern, beim Lichte besehen die eigentlichen Intoleranten und Exclusiven sind. Kein Widerspruch wurde laut, wohl aber erfolgte von verschiedenen Seiten die freudigste Zustimmung, und auch bei andern Fragen und im weitern Laufe der Debatte durften wir die mannichfachsten Zeugnisse vernehmen, welche den in der Kammer herrschenden kirchlichen Sinn beurkunden.