# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1900. 35 candidaten über uns ausſchüttet, dann wird der Bedarf und die Nachfrage nicht geringer, ſondern, will's Gott, immer größer werden. Woher ſollen aber die Prediger des Worts kommen? Luther ſagt von gelehrten Leuten überhaupt: Man kann ſie nicht aus Holz ſchnitzen, auch nicht aus dem Waſſer ziehen, ſondern ſie müſſen erzogen, von Klein auf er⸗ zogen werden. Auch wir dürfen nicht darauf rechnen, daß Gott durch eine beſondere Erweckung uns die zuführt, die im Dienſt des Worts arbeiten ſollen. Zwar haben unſere praktiſchen Predigerſeminare den Beweis ge⸗ liefert, daß auch Männer in reiferen Jahren zu der Erkenntniß erweckt wer⸗ den mögen, daß ſie dem HErrn in ſeiner Kirche als Prediger dienen ſollten; ſie ſind nach kurzer praktiſcher Ausbildung in dieſen Dienſt getreten und haben darin in reichem Segen gearbeitet. Aber rechnen können wir nicht damit. Gott hat den Weg geordnet, daß ſeine Prediger von Jugend auf hierzu erzogen werden. Der Ordnung nach will er ſie der Kirche in der Weiſe geben, wie er ihr den Timotheus gegeben hat, der von Kind auf die heilige Schrift wußte und dadurch ein Menſch Gottes, zu allem guten Werk geſchickt, wurde. Deshalb wird die Jugend in der Staatsſchule uns nicht die Prediger und Lehrer liefern, deren wir bedürfen. Die Staatsſchule hat und pflegt ganz andere Intereſſen, als bei der Erziehung zum Predigt⸗ amt im Vordergrund ſtehen müſſen. Dort kann kein Sinn für das Reich Gottes und die Arbeit in demſelben und für dasſelbe in die Herzen gepflanzt werden. Ja, die Selbſtſucht, welche dort großgezogen wird, hat zur Folge, daß junge Leute und ihre Eltern mit ihnen berechnen: So und ſo viel Gehalt bekommt ein Prediger und muß neun ſeiner Lebensjahre oder noch mehr auf das Studium wenden; da hat ein Geſchäftsmann nach kürzerer Vorberei⸗ tungszeit viel glänzendere Ausſichten. Alſo, ſchließt man, es lohnt ſich nicht, ein Prediger zu werden. Dieſen böſen und gefährlichen Geiſt können wir nur dadurch mit Erfolg zu bekämpfen hoffen, daß wir unſere Kinder von Jugend auf in der chriſtlichen Schule erziehen, wo ſie Gottes Wort lieb gewinnen und ſagen lernen: „Das Geſetz deines Mundes iſt mir lieber denn Gold und viel feines Gold.“ Dann werden ſie auch das Amt des Worts für das höchſte, köſtlichſte und begehrenswertheſte Werk halten und Luſt gewinnen, ſich dazu ausbilden zu laſſen, es koſte, was es wolle. In ſeiner „Predigt, daß man die Kinder zur Schule halten ſoll“, ſagt Luther hierüber Folgendes: „Iſt nun das gewiß und wahr, daß Gott den geiſtlichen Stand ſelbſt hat eingeſetzt und geſtiftet mit ſeinem eigenen Blut und Tode, iſt gut zu rechnen, daß er denſelben will hoch geehret haben und nicht leiden, daß er ſoll untergehen, ſondern erhalten haben bis an jüngſten Tag. Denn es muß ja das Evangelium und die Chriſtenheit bleiben bis an jüngſten Tag, wie Chriſtus ſpricht Matth. 28, 20.: ‚Siehe, ich bin bei euch alle Tage, auch bis an der Welt Ende.‘ Durch wen ſoll er aber erhalten werden? Ochſen und Pferde, Hunde und Säue werden's nicht thun, Holz und Steine auch nicht; es werden's wir Menſchen thun müſſen; denn es iſt