# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung Da unſere Gemeinden künftig je länger deſto mehr aus den Familien heraus wachſen müſſen, wenn ſie beſtehen bleiben wollen; da ferner unſere höheren Lehranſtalten ihren Zuzug nur aus dem Kreiſe der chriſtlich erzogenen Jugend erwarten dürfen, ſo beruht der künftige Beſtand unſerer Ge⸗ meinden zum großen Theil auf dem Gedeihen der Gemeinde⸗ ſchule. Zuerſt möchte hier eine abweiſende Bemerkung Platz finden. Es iſt verkehrt, wenn man die Nothwendigkeit unſerer Gemeindeſchulen damit er⸗ klären will, daß man auf die Erhaltung der deutſchen Sprache, als ſei das ihr Hauptwerk, hinweiſt. Das iſt er nicht. Wir müſſen uns einerſeits an den Gedanken gewöhnen, daß unſere Jugend nach und nach engliſch wird, und daß wir dieſen Wandlungsproceß nicht werden verhindern können. Andererſeits müſſen wir feſthalten, daß auch da, wo das Intereſſe der deut⸗ ſchen Sprache überhaupt nicht ins Spiel kommt, nichtsdeſtoweniger die chriſt⸗ liche Gemeindeſchule nothwendig iſt. Wir haben ja in unſern Kreiſen eng⸗ liſche Miſſion angefangen, und unter der Arbeit unſerer engliſchen Brüder wachſen immer mehr treulutheriſche Gemeinden engliſcher Zunge heran. Dieſe haben aber ebenſo wie wir ſelbſt die heilige Pflicht, Gemeindeſchulen zu errichten, ſobald dies irgend angeht; auch ihre Paſtoren müſſen, bis an⸗ dere Hülfe geſchafft werden kann, zunächſt ſich ſelbſt dieſer mühevollen Ar⸗ beit unterziehen. Alſo nicht deswegen reden und kämpfen wir für unſere Gemeinde⸗ ſchulen, weil es ſich dabei um die deutſche Sprache handelte. Das möchten wir freilich wiederum nicht ſo verſtanden haben, als hätten wir unſere Mutterſprache nicht lieb, als fragten wir nichts darnach, daß ſie auch unſern Nachkommen erhalten bliebe, oder gar, als erkennten wir nicht die hohe Be⸗ deutung der deutſchen Sprache für unſere Kirche, als bedächten wir nicht, daß ſie es iſt, in welcher Luther und viele andere Lehrer unſerer Kirche ſo herrliche Schätze himmliſcher Weisheit uns hinterlaſſen haben. Nein, wir weiſen damit nur den Gedanken ab, daß unſere deutſchen Gemeindeſchulen in erſter Linie deutſche Schulen ſeien. Wir wollen unſere Leute gewöhnen, daß ſie nicht ſagen: Ich ſchicke mein Kind in die deutſche Schule, nicht in die engliſche, ſondern daß ſie ſo reden: Ich ſchicke mein Kind nicht in die Staatsſchule, ſondern in die chriſtliche Gemeindeſchule. Nicht der Sprache, die unſer Luther geredet hat, ſondern dem Worte Gottes, das er verkün⸗ digte, ſoll die Gemeindeſchule dienen; nicht die Sprache, welche in den meiſten unſerer Gemeinden geſprochen wird, ſondern die Gemeinden ſelbſt ſoll die Gemeindeſchule erhalten helfen. Zwar iſt der Beſtand der Kirche überhaupt und auch der Beſtand der einzelnen Gemeinde nicht abhängig von einer ſolchen Einrichtung, wie die