# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung keit zur Erhaltung der Staatsſchulen Steuern fordert, ſo müſſen wir ſie zahlen, zahlen ſie auch willig, weil die Obrigkeit ſie fordert. Aber wir haben deshalb kein Recht, den Genuß davon haben zu wollen, den die Obrig⸗ keit in den Staatsſchulen dafür bietet. Wir haben als Chriſten eine höhere Pflicht gegen unſere Kinder, und bei der Erfüllung dieſer Pflicht ſollten wir nicht von Opfern reden, ſondern einfach thun, was wir zu thun ſchuldig ſind. Hierzu nun einige Zeugniſſe von Luther. Er ſchreibt an die Raths⸗ herren aller Städte Deutſchlands Folgendes: „Nun uns Gott ſo reichlich begnadet und ſolcher Leute die Menge gegeben hat, die das junge Volk fein lehren und ziehen mögen, wahrlich, ſo iſt's noth, daß wir Gottes Gnade nicht in Wind ſchlagen und laſſen ihn nicht umſonſt anklopfen. Er ſtehet vor der Thür; wohl uns, ſo wir ihm aufthun. Er grüßet uns, ſelig, der ihm antwortet. Verſehen wir's, daß er vorübergeht, wer will ihn wieder holen? Laſſet uns unſern vorigen Jammer anſehen und die Finſterniß, darin wir geweſen ſind. Ich achte, daß Deutſchland noch nie ſo viel von Gottes Wort gehört habe, als jetzt; man ſpüret je nichts in der Hiſtorie davon. Laſſen wir's denn ſo hingehen ohne Dank und Ehre, ſo iſt zu be⸗ ſorgen, wir werden noch greulichere Finſterniß und Plage leiden. Liebe Deutſchen, kaufet, weil (ſo lange) der Markt vor der Thür iſt; ſammelt ein, weil es ſcheinet und gut Wetter iſt; brauchet Gottes Gnade und Wort, dieweil es da iſt. Denn das ſollt ihr wiſſen, Gottes Wort und Gnade iſt ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal geweſen iſt. Er iſt bei den Juden geweſen, aber hin iſt hin, ſie haben nun nichts. Pau⸗ lus brachte ihn nach Griechenland; hin iſt auch hin, nun haben ſie den Türken. Rom und lateiniſch Land hat ihn auch gehabt; hin iſt hin, ſie haben nun den Pabſt. Und ihr Deutſche dürft nicht denken, daß ihr ihn ewig haben werdet; denn der Undank und Verachtung wird ihn nicht laſſen bleiben. Darum greift zu und haltet zu, wer greifen und halten kann; faule Hände müſſen ein böſes Jahr“, das iſt, eine ſchlechte Ernte, „haben.“ (St. L. Ausg., X, 463 f.) Dieſe Ermahnung Luthers paßt Wort für Wort auf uns, wir brauchen nur ſtatt des Wortes „Deutſche“ die Worte „Lutheraner der Synodalcon⸗ ferenz“ zu ſetzen. Und man überſehe nicht, daß Luther dieſe ſo eindring⸗ liche Mahnung und Warnung zunächſt nicht in Bezug auf das Predigtamt überhaupt, ſondern in Bezug auf die chriſtliche Schule gibt. Da, in der chriſtlichen Schule, iſt der Markt vor der Thür, da gilt es kaufen und ſam⸗ meln. ſolange es Zeit iſt. In ſeiner Schrift „An den chriſtlichen Adel deutſcher Nation“ ſchreibt Luther: „Sollte nicht billig ein jeglicher Chriſtenmenſch bei ſeinem neun⸗ ten oder zehnten Jahr wiſſen das ganze heilige Evangelium, da ſein Na⸗ men und Leben innen ſtehet? Lehret doch eine Spinnerin und Nähterin ihre Tochter dasſelbe Handwerk in jungen Jahren. . . . O wie ungleich fahren wir doch mit dem armen jungen Haufen, der uns befohlen iſt zu [Am Rand: handgezeichnete Tintenklammer „(“ links neben „In ſeiner Schrift“; „In“ durch einen Tintenfleck überdeckt — nicht gedruckt.]