# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung daß ſie in der rechten Weiſe tüchtig gemacht werden zur Ausübung ihres ſpäteren irdiſchen Berufs. Die Eltern ſind in Noth, weil ſie das nicht zu leiſten im Stande ſind, was ſie ihren Kindern ſchuldig ſind. Da fordert ſchon das einfachſte Gebot der Liebe, daß die Gemeinde zugreife, das Gebot der Liebe gegen die Eltern wie gegen die Kinder in ihrer Mitte. Man kann hier recht wohl auf das Gleichniß vom barmherzigen Sama⸗ riter hinweiſen, in welchem Chriſtus zeigt, daß jeder, der in Noth iſt, ſei er ſonſt, wer er wolle, unſer Nächſter ſei, dem wir Liebe und Dienſt ſchul⸗ dig ſind, auch wenn damit allerlei Opfer und Unbequemlichkeiten verbun⸗ den ſind. Alle Glieder einer chriſtlichen Gemeinde ſollen ſich der Kinder in der Gemeinde annehmen, einerlei ob ſie ſelbſt Kinder haben oder nicht. Oder wollen ſie dem Prieſter und Leviten gleich ſich um deren Noth nicht kümmern? Wollen ſie ſagen: Was gehen mich anderer Leute Kinder an? Ich bin froh, daß ich meine Kinder ſo weit gebracht habe. Das wäre ſchänd⸗ liche Liebloſigkeit! Aber dieſer gottloſe, liebloſe Sinn iſt es, welcher in vielen Fällen der Errichtung einer Gemeindeſchule im Wege ſteht oder ihr Gedeihen hindert. Es iſt der Sinn Kains, welcher auf die Frage Gottes: „Wo iſt dein Bruder Abel?“ antwortete: „Soll ich meines Bruders Hüter⸗ ſein?“ Es iſt, als ob ein ſolcher ſpräche: Was frage ich darnach, ob anderer Leute Kinder ſelig werden! Wenn nur die meinen in den Himmel kommen! Gegen ſolche Geſinnung gilt es, einen energiſchen Kampf zu führen. Wir weiſen dabei hin auf Röm. 12, 5.: „Alſo ſind wir viele Ein Leib⸗ in Chriſto; aber unter einander iſt einer des andern Glied.“ Wie die Glie⸗ der eines Leibes einander helfen zu allen Dingen, deren der Leib zu ſeiner Erhaltung und Stärkung bedarf, ſo ſollen die Chriſten, als Glieder einer Gemeinde, des geiſtlichen Leibes Chriſti, einer dem andern helfen und dienſt⸗ lich ſein in der Liebe. Gehen wir einige Verſe weiter, ſo hören wir eine Mahnung zu einer beſonderen Erweiſung ſolcher dienenden Liebe, wenn es⸗ in V. 13. heißt: „Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an.“ Wenn hier zunächſt auch auf irdiſche Noth Rückſicht genommen wird, ſo laſſen ſich dieſe Worte recht wohl allgemein, auf alle Noth anwenden, die wir bei unſern chriſtlichen Brüdern wahrnehmen. Auch chriſtliche Eltern ſind ſolche Hei⸗ lige, die ſich wegen der Erziehung ihrer Kinder in einer Nothlage befinden, ſo daß es auch von ihnen heißt: „Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an.“ Hier iſt ferner anzuwenden, was Petrus in ſeiner erſten Epiſtel, Cap. 4, 10., einſchärft: „Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ Bei dem Nachweis, daß jede Gemeinde und jedes Gemeindeglied die Liebespflicht hat, durch Errichtung von Gemeindeſchulen zu chriſtlicher Er⸗ ziehung der Kinder Gelegenheit zu geben, müſſen wir noch beſonders her⸗ vorheben, daß das auch eine Liebespflicht des Paſtors ſei. Wenn man da⸗ von auch abſieht, daß ihm als dem Träger des öffentlichen Predigtamts die Verkündigung des Wortes auch den Kleinen gegenüber geboten iſt und, ſo⸗