# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1900. 25 Es heißt hier, „abgeſehen vom Amt des Worts“ habe die chriſtliche Gemeinde die Liebespflicht, chriſtliche Schulen zu errichten. Denn wie be⸗ reits in der erſten Theſe bemerkt, kommt dieſe Pflicht der Gemeinde auch auf andere Weiſe zu Stande, weil nämlich der Gemeinde von Chriſto das öffentliche Predigtamt befohlen iſt. Hier liegt uns aber vor allem daran, die Nothwendigkeit der Errichtung von Gemeindeſchulen aus dem Bedürf⸗ niſſe der chriſtlichen Familie nachzuweiſen, und nicht aus der Pflicht der Gemeinde in Bezug auf die Errichtung des Predigtamts. Wenn wir nachweiſen wollen, daß chriſtliche Gemeinden die Liebes⸗ pflicht haben, durch Errichtung von Gemeindeſchulen den Eltern beizu⸗ ſtehen, ſo müſſen wir zuerſt darüber klar werden, ob durch die Gemeinde⸗ ſchule der Noth wirklich abgeholfen wird. Sehen wir uns deshalb eine ſolche Gemeindeſchule an. Die Religion bildet in ihr den vornehmſten Un⸗ terrichtsgegenſtand. Bibliſche Geſchichte und Katechismus ſind der Central⸗ punkt, um den ſich alle andern Fächer gruppiren. Die religiöſen Begriffe und Gedanken müſſen den Unterricht in allen andern Fächern beherrſchen. Im Stundenplan ſteht der Religionsunterricht an erſter Stelle und nimmt von der beſten Zeit des Schultages ein gut Theil in Anſpruch. Denn das iſt das Höchſte und Wichtigſte, daß den Kindern die rechte Unterweiſung in den Wegen des HErrn gegeben werde. In der chriſtlichen Gemeindeſchule iſt ferner Gottes Wort das eigent⸗ liche Erziehungsmittel, und zwar Gottes Wort in ſeinem ganzen Umfang. Während die Staatsſchule ſich auf das beſchränken muß, was der natür⸗ liche Menſch von Gottes Geſetz erkennt und, wie uns die Pädagogen nach⸗ gewieſen haben, ſelbſt dieſe Forderungen des Naturgeſetzes nicht auf Gott zurückführen darf, ſondern auf Nützlichkeitsrückſichten, ſo wird hingegen in der Gemeindeſchule mit dem Worte Gottes vollſtändig Ernſt gemacht. Das Geſetz kommt zu rechter Anwendung, nicht als bloße gute Vorſchrift, ſon⸗ dern als Vorſchrift, die Gott gegeben hat, als Spiegel, der die Sünde wider Gott zeigt, als Regel, nach welcher der Wiedergeborene als vor Gottes An⸗ geſicht in ſeiner Furcht und Liebe wandelt. Vor allem aber kommt bei der Zucht das Evangelium in Anwendung. Alle Ermahnung wird damit be⸗ gründet, daß der Schüler als ein durch JEſum Chriſtum erlöſtes Gottes⸗ kind die Gebote Gottes anerkennen und von Herzen mit Freuden erfüllen ſoll. Durch den Religionsunterricht bildet die Gemeindeſchule nicht etwa nur den Verſtand, prägt nicht nur dem Gedächtniß bibliſche Wahrheiten ein, ſondern ſucht vor allem das Herz zu beeinfluſſen und den Willen nach Gottes Wort zu richten. So hat die Erziehung ſchließlich zum Ziel, daß die Kinder ihren Willen dem Willen Gottes unterordnen, daß ſie in Wahr⸗ heit ſprechen: „Rede, HErr, dein Knecht höret“; „nicht mein, ſondern dein Wille geſchehe“; daß ſie im Glauben leben und den Glauben in der Hei⸗ ligung beweiſen. Die chriſtliche Gemeindeſchule erzieht in der rechten Richtung. [Am Rand: handgezeichnete Tintenmarkierung über „Gemeinden“ im zweiten Absatz, erſte Zeile — nicht gedruckt.]