# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung ſpruch, daß das Inſtitut der Sonntagsſchule zur chriſtlichen Erziehung durchaus nicht ausreichend ſei. Und doch bedürfen wir gerade in unſerm Lande, wo die Gefahr, zu den Secten abzufallen, eine ſo drohende iſt, ſolcher Chriſten, die feſt gegründet und wohlgewappnet ſind, die die reine Lehre kennen und von der falſchen wohl zu unterſcheiden wiſſen. Was iſt nun aber davon zu halten, wenn in manchen unſrer Ge⸗ meinden, auch in alten Gemeinden, neben der Gemeindeſchule auch eine Sonntagsſchule eingerichtet wird? Sollte wirklich, wo es mit der Wochen⸗ ſchule recht ſteht, das Bedürfniß für eine Sonntagsſchule denkbar ſein können? Sollten da nicht die Kinder einfach und ohne Weiteres an die Gemeindeſchule verwieſen werden? Geben wir durch die Errichtung von Sonntagsſchulen nicht doch dem Gedanken Raum, als ſei der kümmerliche Unterricht darin genügend? Daß wir Letzteres niemals zugeben, iſt aus dem oben Geſagten klar. Aber damit wird nicht in Abrede geſtellt, daß man in Nothſtänden ſich oft mit dem Nothdürftigſten beſcheiden müſſe. Wenn man jemanden nicht ſatt ſpeiſen kann, ſo ſoll man ihm nicht die Thür weiſen und auch das Wenige verweigern, was man ihm geben könnte, ſondern man gibt ihm, was man hat, und bittet Gott, daß er's ihm ſegne. Wenn Eltern ihre Kinder in theurer Zeit kümmerlich mit einer Brodkruſte ernähren, ſo gehen wir nicht mit ihnen ins Gericht, ſondern loben ſie, daß ſie das ärmliche Stücklein Brod mit ihren Kindern theilen. So hier. Wenn eine Gemeinde ſo klein und arm und von Kirche und Gottesdienſt ſo fern entlegen wäre, daß ſie keine Wochenſchule einrichten könnte, und ſie finge eine Sonntagsſchule an und ſetzte denjenigen aus ihrer Mitte, der dazu fähig iſt, zum Lehrer, wer wollte ſie drum tadeln? Anders aber iſt es, wenn Vater und Mutter im Ueberfluß lebten und ihre Kinder mit Hungerkoſt abſpeiſen wollten. Solche würden wir mit Recht Rabeneltern nennen, und wenn ſie noch ſo laut ſich darauf beriefen, daß man ja die Eltern gelobt habe, welche in der Hungersnoth ihren Kindern nur eine Kruſte Brod gaben. So hier. Wenn Eltern meinen ihre Pflicht vollauf gethan zu haben, weil ſie ja ihre Kinder in die Sonntagsſchule ſchicken, während eine chriſtliche Gemeindeſchule ihnen Gelegenheit bietet, ſie an der gedeckten Tafel ihres Gottes reichlich zu ſpeiſen, ſo haben ſolche Eltern für ihre Kinder den Hunger und das Darben ins Land gebracht und werden mit ihren armen Kindern den Fluch ihrer böſen Werke tragen müſſen. Denn die Erziehung durch den Sonntagsſchulunterricht iſt und bleibt die Behandlung eines Kindes zur Zeit des Darbens. Solcher Eltern gibt es nun leider eine nicht geringe Anzahl. Wenn ſie uns ihre Kinder überlaſſen, daß wir ihnen einmal in der Woche ein Stückchen Brod des Lebens reichen, dann ſollen wir nicht ſagen: Wir geben euch nun auch das nicht, weil ihr in der Woche nichts wollt; wir ſollen ihnen vielmehr wenigſtens Sonntags ein Stücklein Brods geben. Darüber erbitten wir dann Gottes doppelten Segen für ſie, halten auch die Woche über unſere Augen offen, daß nicht