# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Verhandlungen der achtzehnten Verſammlung wir dennoch: Auch eine in jeder Hinſicht gut geſtellte Sonntagsſchule kann einem chriſtlichen Hausvater nicht genügen für das, was er ſeinen Kindern bieten ſoll. Wir geſtehen willig zu, daß durch die Kraft des Wortes Gottes ein Kind auch in der Sonntagsſchule dahin kommen kann, daß es ein Chriſt, ſpäter auch ein erkenntnißreicher Chriſt wird. Wir verkennen auch nicht den Segen, welchen die Sonntagsſchule da und dort geſtiftet hat. Aber wir haben nicht zu entſcheiden, was der Heilige Geiſt durch die Kraft des Wortes ausrichten kann; wir müſſen uns darauf beſinnen, was wir für die chriſtliche Erziehung unſerer Kinder thun können, und da genügt die Sonntagsſchule nicht. Eltern, welche aus Trägheit oder andern Gründen mit dem ſich begnügen wollen, was die Sonntagsſchule bietet, können ſich nicht damit rechtfertigen, daß in einzelnen Fällen die Sonntagsſchule ſchöne Reſultate erzielt hat. Es iſt offenbar: eine Religionsſtunde in der Woche iſt nicht genug dazu, daß ein Vater nach der Mahnung des Apoſtels ſeine Kinder aufziehe in der Zucht und Vermahnung zum HErrn. Wer einen krummgewachſenen Baum gerade ziehen will, der erwartet nicht, daß es helfen werde, wenn er ihn jede Woche einmal eine Stunde lang an einen Pfahl anbindet, ſondern er läßt ihn die ganze Woche hindurch, wohl auch Jahre lang angebunden. Was würde ein Vater ſagen, wenn man ihm den Vorſchlag machte, er ſolle nur einmal wöchentlich eine oder eine halbe Stunde ſeinem Kinde Rechen⸗ unterricht ertheilen laſſen, da das für ſeine geſchäftliche Ausbildung völlig ausreiche? Er würde einen ſolchen Vorſchlag als thöricht verlachen. Aber für den Religionsunterricht, der doch unendlich wichtiger und ſchwieriger iſt als aller weltliche Unterricht, ſoll das geringſte Maß genügen! Hier zeigt ſich recht klar der calviniſtiſche Geiſt, der das äußerliche Wort geringſchätzt und deshalb einen gründlichen, anhaltenden Religionsunter⸗ richt im Grunde genommen für überflüſſig hält. Der „Geiſt“, das „innere Licht“ wirkt ja die Bekehrung. Darum iſt die Sonntagsſchule dem Schwär⸗ mer völlig ausreichend. Der Lutheraner iſt hierin andern Sinnes. Er weiß zwar recht wohl, daß durch das bloße Auswendiglernen von Katechis⸗ muſtext, Bibelſprüchen und Liederverſen ſein Kind nicht bekehrt wird; aber er weiß auch, daß das Wort Gottes das einzige Mittel iſt, durch das der Heilige Geiſt wirken will. In dieſer Ueberzeugung begehrt er einen guten chriſtlichen Unterricht für ſein Kind, und nur das höchſtmögliche Maß davon genügt ihm. Man wendet ein, daß ja freilich die Sonntagsſchule nicht ausreiche, aber unterſtützt von der häuslichen Unterweiſung und verbunden mit ihr ſtehe die Sache der Sonntagsſchule doch anders. Ganz abgeſehen davon, daß Letztere auch durch die Gemeindeſchule nicht unnöthig gemacht wird, ſo weiſen wir zur Antwort nur darauf hin, daß gerade die Eltern, welche ſich mit der Sonntagsſchule begnügen, ſich dann auch in der Woche gar nicht oder nicht nennenswerth mit dem Unterricht ihrer Kinder in Gottes Wort