# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1900. 19 ſcheiden ſich dadurch zu ihrem Vortheile von der Staatsſchule. Die Frage iſt nun: Genügen dieſe beiden Einrichtungen dem Bedürfniß der chriſt⸗ lichen Familie? Wir antworten: „Sonntagsſchule und Confir⸗ mandenunterricht entſprechen ihm nicht völlig.“ Sehen wir uns zunächſt die Sonntagsſchule an. Darunter verſtehen wir nicht die Einrichtung, wie ſie in manchen Miſſionsgemeinden getroffen werden mußte, daß am Sonntag die Kinder einige Stunden lang im Kate⸗ chismus, in bibliſcher Geſchichte und deutſcher Sprache unterrichtet werden. Wir reden hier von dem, was landläufig unter dem Namen Sonntagsſchule bekannt iſt, daß nämlich die Kinder der Gemeinde und ſo viele auswärtige Kinder, wie man dazu bekommen kann, vom Paſtor mit einer Anzahl Ge⸗ hülfen in der Religion unterrichtet werden. Der Regel nach leidet dieſe Sonntagsſchule an großen Gebrechen. Gewöhnlich werden die Lehrer aus dem Laienſtand genommen; und weil die alten und erfahrenen Gemeinde⸗ glieder ſich meiſt nicht dazu hergeben, iſt man auf junge, oft ſehr junge Leute, vorwiegend Mädchen, angewieſen. Das iſt ein unreifes Lehr⸗ perſonal. Wenn es ſich um den Unterricht in Gottes Wort handelt, ſo wird man von Leuten, welche ſelbſt nicht gründlich in der Schrift zu Hauſe ſind, auch gewiß keinen guten, ausreichenden Unterricht erwarten dürfen. Dieſem Mangel ſucht man freilich dadurch zu begegnen, daß der Paſtor die Lehrer und Lehrerinnen auf das am Sonntag vorzunehmende Penſum ein⸗ ſchult. Auch eine Anzahl Sonntagsſchulblätter dienen zur Vorbereitung der Lehrer auf die ausgewählte Lection. Durch dieſe Hülfsmittel wird aller⸗ dings die Sonntagsſchule leiſtungsfähiger gemacht; aber dieſe Hülfsmittel beweiſen auch, daß man die Lehrer nicht ſelbſtändig arbeiten laſſen kann. Zu der mangelhaften Erkenntniß kommt die Unkenntniß und die Un⸗ erfahrenheit in der Unterrichtsthätigkeit und der Mangel an Lehrgeſchick. Luther ſagt vom Unterrichten: Hierzu gehören „ſonderliche, gute Leute, die den Unterricht verſtehen; das ſind auserleſene Leute“. Dieſer Mangel fällt um ſo mehr ins Gewicht, als in der Sonntagsſchule in kurzer Zeit ſo viel geleiſtet werden ſoll. Der Lehrer müßte ganz beſonders geſchickt ſein, der in einer oder einer halben Stunde wöchentlich dasſelbe erreichen ſoll, wozu täglicher Unterricht und fortwährende Uebung nöthig iſt. Der dritte Mangel iſt das Fehlen eines guten Lehrplans und Lehr⸗ ſyſtems. Der Regel nach wird es ſo ſein, daß man in der Sonntagsſchule nach irgend einer Auswahl bibliſche Abſchnitte vornimmt und durchſpricht. Bei uns würde man auch auf den Katechismus eingehen und ſeinen Wort⸗ laut mit den Hauptbeweisſprüchen dem Gedächtniſſe einprägen, wenn auch für die Erklärung wenig Zeit übrig bleibt. Aber immer fehlt es an der rechten Zuſammenfaſſung, an der Aufzeigung des Zuſammenhangs und an der gründlichen Einübung des Erlernten. Das ſind die Hauptmängel, an denen die Sonntagsſchule krankt. Geſetzt nun den Fall, dieſe Mängel würden hinweggeräumt, ſo ſagen