# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1900. 11 Worte des Geſetzes ohne Unterlaß ihren Kindern zu ſchärfen, wie auch von den großen Thaten Gottes ihnen immer wieder zu ſagen, 5 Moſ. 6, 7. 20—25.; und daß das im Volk Iſrael auch ausgeführt wurde, ſehen wir aus 5 Moſ. 32, 7. Pſ. 78, 1. ff. Die Sprüche und der Prediger Salomos ſind Schriften für die Jugend, welche zum Gebrauch bei der häuslichen Er⸗ ziehung beſtimmt geweſen zu ſein ſcheinen. Auch daß Paulus den Timotheus, 2 Tim. 3, 15., daran erinnert, daß er von Kind auf die heilige Schrift wiſſe, iſt ein Zeugniß für die damals gebräuchliche häusliche Unterweiſung. 2 Tim. 1, 5. Was jedoch damals anging, das läßt ſich heut zu Tage unter den gänz⸗ lich veränderten Verhältniſſen im Allgemeinen nicht mehr ebenſo bewerk⸗ ſtelligen. Schon die Anſprüche, welche das tägliche Berufsleben an die Eltern ſtellt, machen es in den meiſten Fällen unmöglich. Dabei fehlt trotz des gewaltigen Fortſchrittes der allgemeinen Bildung den meiſten Eltern das nöthige Geſchick, ihrer Aufgabe den Kindern gegenüber vollauf gerecht zu werden. Man könnte einwenden: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verſtand. Doch darf man ein ſolches an ſich wahre Wort auch nicht über ſeine Grenzen ausdehnen. In vielen Fällen wird der Verſtand, den Gott chriſtlichen Eltern hierin gibt, ihnen ſagen, daß ſie allein die Unter⸗ weiſung ihrer Kinder nicht hinauszuführen vermögen, ſondern einer Hülfe dabei bedürfen. Dazu kommt, daß die Zucht (paidagogia) nicht ein ein⸗ maliges Anſetzen, ſondern etwas Stetes, Unausgeſetztes iſt und über viele Jahre ſich erſtrecken muß. Hier zeigt ſich nun das ſchreiende Bedürfniß der Familie nach einer Er⸗ ziehungshülfe. Da böte ſich der Ausweg des Hauslehrers, der die Fähigkeit hätte, die Kinder im Hauſe aufzuziehen in der Zucht und Vermahnung zum HErrn. Das entſpräche gewiß dem Zwecke, iſt aber aus manchen Gründen in den meiſten Fällen unausführbar. So treibt das Bedürfniß des Hauſes darauf hin, daß die Erziehung der Kinder Gemein⸗ ſache werde. Ueber die ſchreiende Noth, welche die Gründung der Schulen fordert, ſpricht ſich Luther in der oben angeführten Schrift an die Rathsherren alſo aus: „Daß es von den Eltern nicht geſchieht, hat mancherlei Urſache: Aufs erſte, ſind etliche auch nicht ſo fromm und redlich, daß ſie es thäten, ob ſie es gleich könnten; ſondern, wie die Strauße verhärten ſie ſich auch gegen ihre Jungen und laſſen's dabei bleiben, daß ſie die Eier von ſich geworfen und Kinder gezeugt haben; mehr thun ſie nicht dazu. Nun, dieſe Kinder ſollen dennoch unter uns und bei uns leben in gemeiner Stadt. Wie will denn nun Vernunft und ſonderlich chriſtliche Liebe das leiden, daß ſie ungezogen aufwachſen und den andern Kindern Gift und Geſchmeiße ſind, damit zuletzt eine ganze Stadt verderbe, wie es denn zu Sodom und Gomorra und Gaba und etlichen mehr Städten ergangen iſt. Aufs an⸗ dere, ſo iſt der größte Haufe der Eltern leider ungeſchickt dazu und