# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1900_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1900. 7 Philanthropiſten und der ihnen folgenden americaniſchen Schulmänner, welche davon ausgehen, daß das Kind von Natur gut ſei, und die daher die eigentliche Aufgabe der Erziehung darin ſehen, daß das Böſe von dem Kinde ferngehalten und ſeine Naturanlage vernunftgemäß entwickelt werde. Was eine ſolche Erziehung für Früchte zeitigt, kann ſich nicht nur jeder denken, der einen Blick in den durch Adams Fall angerichteten Schaden ge⸗ than hat, ſondern es liegt dies auch thatſächlich vor Augen. Wer nicht ſo erziehen will, daß er das Böſe in den Kindern mit dem Worte Gottes be⸗ kämpft, der wird überhaupt nicht erziehen können. Schon in Dingen, die dieſem Leben angehören, muß die Erziehung dem angeborenen Verderben entgegenarbeiten; wie vielmehr iſt dies nöthig in geiſtlichen Dingen, von denen der natürliche Menſch nichts vernimmt, die ihm eine Thorheit ſind. Das iſt gewiß: Erziehung in dem Sinn von chriſtlicher Erziehung iſt es, was unſere Kinder bedürfen. Wem fällt nun dieſe Aufgabe zunächſt zu? Offenbar denjenigen, wel⸗ chen Gott die Kinder zunächſt gegeben hat, den Eltern. Ihnen hat Gott die Kinder anvertraut und ihnen mit den Kindern auch die Sorge für ihre leibliche, geiſtige und geiſtliche Erziehung auferlegt. Wenn Jer. 29, 7. den Juden in der babyloniſchen Gefangenſchaft zugerufen wird: „Suchet der Stadt Beſtes!“ nachdem in den vorhergehenden Verſen von der Sorge für die Familie und deren Wachsthum geredet war, ſo liegt in dieſer Mah⸗ nung offenbar die Aufforderung, die Kinder in jeder möglichen Weiſe zu recht brauchbaren Gliedern der menſchlichen Geſellſchaft heranzuziehen. Und doch iſt dies das Geringere, was die Eltern bei der Erziehung im Auge haben ſollen; es iſt ein „Durchgangsziel“, um mit einem frommen Schul⸗ mann alter Zeit zu reden, ein Ziel, durch welches hindurch die Kinder dem eigentlichen Endziel, dem ewigen Leben, zugeführt werden ſollen. Dies eigentliche Ziel dürfen Eltern bei der Erziehung nie aus den Augen laſſen. Es iſt Gottes Wille, daß „nicht jemand von dieſen Kleinen ver⸗ loren werde“, Matth. 18, 14. Gott will, daß ſie alle zur Er⸗ kenntniß der Wahrheit kommen, 1 Tim. 2, 4. So haben Eltern die Verpflichtung, ſoviel an ihnen iſt, zu ſorgen, daß ihre Kinder nicht ver⸗ loren werden, daß ſie vielmehr zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Und wie wäre es möglich, daß Eltern, welche in Wahrheit Chriſtum als ihren Heiland erkennen und von dem feſten Glauben erfüllt ſind, daß in keinem andern Heil, auch kein anderer Name den Menſchen gegeben iſt, darinnen wir ſollen ſelig werden, nun nicht auch ihren Kindern vor allem davon ſagen, nicht die Verkündigung dieſes ſeligmachenden Evangeliums die Hauptſache bei der Erziehung ſein laſſen ſollten! Zunächſt liegt alſo die chriſtliche Er⸗ ziehung bei den Eltern. Das ſagt auch die heilige Schrift Alten und Neuen Teſtaments. Während wir da nur wenige an die Eltern gerichtete Auf⸗ forderungen finden, für das leibliche Leben ihrer Kinder zu ſorgen, ſo gibt es viele Stellen, in welchen die Pflicht, für der Kinder Seele zu ſorgen,