# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S305 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Licht und Schatten ꝛc. 305 Licht und Schatten in den kirchlichen Zuständen Sachsens, namentlich der Lausitz. Folgendermaßen beschreibt ein Lausitzer in dem Sächsischen Kirchen⸗ und Schulblatt vom 17. Juni d. J. die kirchlichen Zustände seiner Provinz: Wie steht es jetzt? In den Schulen hat man die Lehrbücher von Dinter, Diesterweg, Tischer ꝛc. mit denen von Spener, Nissen u. a. vertauscht und den rationalistischen Kram auf Verordnung der hohen Behörde ausgemerzt. Was man damals verlachte und als abscheuliche Thorheit verspottete, hört man jetzt in den öffentlichen Prüfungen wie unumstößliche Wahrheit tractiren, und derjenige Lehrer, der noch vor wenig Jahren durch hämische Seitenhiebe gewisse Glaubenslehren, z. B. Erbsünde, Verdammniß, Höllenfahrt Christi, Auferstehung des Fleisches u. s. w. zu verdächtigen und lächerlich zu machen suchte, bespricht jetzt diese Lehren mit seinen Kindern in salbungsvoller Weise und wirklichem oder scheinbarem Ernste. In der Kirche ist nicht weniger die große Veränderung wahrzunehmen. Gingen wir sonst stundenweit, um eine christlich erbauliche Predigt zu hören, so kann man jetzt fast von jedem Candidaten und in jeder Kirche eine biblisch gehaltene Predigt vernehmen. Man stellt bei der Bergpredigt nicht mehr unsern Herrn als Freund der Natur dar; bei der Geschichte des cananäischen Weibes hebt man nicht wie sonst die Macht der Mutterliebe hervor u. s. w.; sondern Jeder bemüht sich augenscheinlich, die positiven Wahrheiten unsers christlichen Lehrgebäudes möglichst in den Vordergrund zu stellen. Buß⸗ und Glaubenspredigten gehören nicht mehr zu den Seltenheiten unserer Tage, auch wird kein Prediger mehr öffentlich um deßwillen verhöhnt und verspottet, im Gegentheil sind diejenigen sogar zu Ehren gekommen, die den Weg Gottes recht lehren in Aufrichtigkeit des Herzens, und manche Gemeinde spart kein Opfer, um einen solchen Seelsorger zu bekommen. Auch von Seiten der hohen und höchsten Behörden werden Männer nach dem Herzen Gottes begünstigt, man fördert möglichst ihre Bestrebungen, unterstützt sie in ihren Unternehmungen in Bezug auf Kirchenzucht und Ordnung und schützt sie auch bei feindlichen Angriffen. Wagten wir früher nicht, bei uns über die Missionspflicht der Kirche zu sprechen bei der herrschenden Ansicht, daß die Wilden im glücklichen Naturzustande lebten und es Mancher in seiner Humanität so weit trieb, daß er es zu bedauern schien, nicht auch in solchem Paradiese leben zu können; hörte man von keiner Kanzel auch nur eine hindeutende Sylbe in Bezug auf Bekehrung von Nichtchristen: so sind heute bei uns regelmäßige Missionsstunden festgesetzt und jährliche Missionsfeste werden mit besondern Ceremonien abgehalten und zum Theil außerordentlich besucht. Du siehst also, mein theurer Freund, wie die Verhältnisse sich geändert und viele Menschen zum Bessern gewendet haben und Dein Herz wird den Herrn loben und preisen für die Gnade und Barmherzigkeit, die er an uns gethan hat. Ja lobe den Herrn, aber bitte ihn auch, denn es ist und bleibt bei alledem noch Vieles zu wünschen übrig. Das Sprüchwort: Es ist nicht 20