# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1858_S301 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 301 res doctores in ecclesia nicht ganz wie Schüler bei Seite gestellt würden von der großen Wissenschaft von heute und von gestern. Obschon ich, wie ich schon oben bemerkt habe, dies nicht schreibe in Veranlassung Ihres Buches*), so thut mir es doch auch herzlich leid, daß gerade Sie in einen solchen Bruch mit unserer Kirche gerathen sind, Sie, den mit mir Viele als einen eben so gelehrten, wie innigen lutherischen Theologen verehren. Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. (Fortsetzung.) 4. Den vierten Zweig der s. g. practischen theologischen Disciplinen bildet die Pastoraltheologie im engeren Sinne. Diesen Theil der heiligen Gottesgelahrtheit betreffend, besitzt unsere Kirche ein Normalwerk. Es ist folgendes: „M. Conradi Portae Pastorale Lutheri d. i. Nützlicher und nöthiger Unterricht von den fürnehmsten Stücken des heiligen Ministerii. Für angehende Prediger und Kirchendiener aus Gottes Wort und Dr. M. Luther's Schriften zusammengetragen. Mit Anmerkungen herausgegeben von M. Joh. Christoph Cramer. Jena, 1729.“ 8. Der Verfasser dieses Werkes, Conr. Porta, im Jahre 1541 zu Osterwick im Fürstenthum Halberstadt geboren, wurde frühzeitig eine vater⸗ und mutterlose Waise, hielt sich aber desto eifriger schon in seiner Jugend zu seinem himmlischen Vater, fand daher, da er zugleich vorzügliche Gaben zeigte, bald die nöthige Unterstützung, um, nachdem er den ersten Grund seines Wissens in der Schule seiner Vaterstadt gelegt hatte, hierauf auch die lateinischen Schulen zu Quedlinburg und Eisleben frequentiren zu können. Schon im Jahre 1562, als er noch Gymnasiast in letztgenannter Stadt war, kam er in Besitz der Werke Luther's, las dieselben mit großer Begierde und legte so schon hier den Grund zu jener gesunden, echt lutherischen Theologie, die ihn später so ausgezeichnet hat. Seine akademischen Studien machte er in Rostock, wo er Magister legens wurde. Nach späterer Verwaltung eines Rectorats in Osterwick und eines Conrectorats zu Eisleben wurde er hier im Jahre 1569 Diakonus und sodann 1575 Pastor und Consistorialassessor, wobei er im dasigen Gymnasium noch Vorlesungen zu halten hatte.**) Sein Tod erfolgte schon im J. 1585. Porta war in *) Es ist doch sehr schlimm, daß ein Mann, wie der gothaische Hofprediger Schwarz, in seiner Geschichte der neuesten Theologie S. 369 hat sagen dürfen: „Was hat Thomasius modernisirte, in ihren Consequenzen dem gefährlichsten Rationalismus anheim fallende Theologie mit dem echten Lutherthum gemein?“ Es ist auch schlimm, daß der scharfsinnige Dorner, der sich „keinen Vertreter der Fehllosigkeit der C.⸗F.“ nennt, Ihnen hat nachweisen dürfen (s. Jahrbücher ꝛc. I. Band II. Heft S. 338), daß Das, was Sie die rechte consequente Fortbildung der Kirchenlehre nennen, gerade von der C.⸗F. verworfen ist, **) Diese ihm übergebene Function war die Veranlassung zu der berühmten Oratio continens adhortationem ad lectionem scriptorum Lutheri, 1584, welche Schulrede von der Hardt im J. 1708 wieder hat auflegen lassen als ein „praeclarum opusculum.“