# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1898_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der ſiebzehnten Verſammlung Allermeiſten, die als Trunkenbolde leiblich und geiſtlich verderben, holen ſich ihren Rauſch in der Schenke. Ja, man kann ferner ſagen, daß viele der Schankwirthe nur dadurch exiſtiren können, daß es Leute gibt, die nicht bloß ihren Durſt löſchen, ſondern über den Durſt zu ihrer Wolluſt, dem Saufteufel zu fröhnen, an den Schanktiſch kommen. Selbſt wo das nicht Regel iſt, iſt es, wie geſagt, auch bei der Welt als ſchier unmöglich an⸗ erkannt, daß einer, der eine öffentliche Trinkwirthſchaft betreibt, der Ge⸗ fahr enthoben bleiben kann, zu allerlei böſen Ausſchreitungen mitzuwirken. Ein Geſchäft, auf deſſen möglichſte Einſchränkung ſelbſt der Staat aus⸗ geht, iſt ſicherlich nicht ein Geſchäft, das einen Chriſten mit Wahrſcheinlich⸗ keit ermöglichte, dadurch Gott zu Ehren und den Menſchen zu Dienſt in gottgefälliger Weiſe ſein täglich Brod zu erwerben. Damit iſt nicht geſagt, daß es nicht unter gewiſſen Umſtänden, an gewiſſen Orten auch noch möglich wäre, ein Schankwirth zu ſein und dabei ein gut Gewiſſen zu bewahren. Aber man darf wohl ſagen, daß ſolche Fälle heutzutage ſehr ſelten ſind, und daß eine Gemeinde nichts Unbilliges fordert, wenn ſie in einem ſolchen Ausnahmefalle von dem Wirth einen Nachweis verlangt, daß es in ſeinem Hauſe ordentlich, ehrbar, ſittlich unanſtößig hergehe, und daß er Vor⸗ kehrungen treffen konnte und treffe und durchführe, die es ihm möglich machen, ein ſolches Geſchäft mit Gott in Ehren zu treiben. Allerdings ſoll ja ein Unterſchied gemacht werden zwiſchen den Ge⸗ werben der erſten Klaſſe, die ſchon an und für ſich und deshalb überall und in allen Fällen verwerflich und ſündlich ſind, und denen der zweiten Klaſſe, die in der Form, in welcher, oder unter den Umſtänden, unter welchen ſie geübt werden, ſündlich ſind. Mit den erſteren muß ein Chriſt in jeder Hinſicht unverworren bleiben; die darf er weder treiben, noch darf er an ihnen irgend einen Geſchäftsantheil haben, noch darf er etwas thun, wo⸗ durch ihnen Vorſchub geleiſtet würde. Dieſe darf er auch nicht gebrauchen, bei denen darf er auch nicht als Kunde ſich zeigen, ſondern die hat er in jeder Hinſicht zu meiden. Die Geſchäfte oder Gewerbe der zweiten Art aber mag ein Chriſt üben, wo es feſtſteht, daß die Umſtände eben der Art ſind, daß das Geſchäft dadurch nicht ſündlich und verwerflich wird, weil damit unvermeidlich Verletzung der Liebe zu Gott und zum Nächſten ver⸗ bunden ſein würde. Dieſe Geſchäfte mag ein Chriſt auch ſo gebrauchen, daß er auch ſelbſt, wo ſie von Leuten betrieben werden, die ſich mit ihrem Gewerbe tagtäglich verſündigen, ein Kunde ſolches Geſchäftes iſt. Man kann nicht ſagen: Iſt das Betreiben eines Bierhauſes in der Regel ein gefährliches Ding, und iſt das Betreiben jenes Bierhauſes ſchräg gegenüber von mir ſicherlich ein verwerfliches Ding, wie ich mit Augen ſehen und mit Ohren hören muß, ſo kann ich auch nicht ein Kunde dieſes Schankwirths ſein, darf weder ſelber mir da ein Pint Bier holen noch mein Kind hin⸗ ſchicken, um etwa zum Mittag⸗ oder Abendeſſen ein Maß Bier zu holen; denn da befördere ich ja deſſen verwerfliches Geſchäft. Das trifft nicht zu.