# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1898_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 34 Verhandlungen der ſiebzehnten Verſammlung einen falſchgläubigen Gottesdienſt durch ſein Orgelſpiel oder durch ſeinen Chorgeſang tragen oder verſchönern hilft, dazu beiträgt, daß die Leute um ſo lieber dahin kommen, wo ſie nun die falſche Lehre hören, der verſündigt ſich damit, und zwar verletzt er die Liebe zu Gott und zum Nächſten und ſollte von einer chriſtlichen Gemeinde darüber in Zucht genommen werden. Es wurde hier die Frage aufgeworfen: Wie ſtimmt der Satz: „Die Gemeinde iſt die oberſte Richterin in ihren Angelegenheiten“ mit der For⸗ derung, daß die Gemeinde ſich von andern ſtrafen laſſen müſſe? Dürfte ſich die Gemeinde, um nicht geſtraft zu werden, auf den Satz berufen, daß ſie die höchſte Richterin ſei? Berechtigt ſie dieſer Satz dazu, eine Viſitation der Synodalbeamten abzuweiſen? Antwort: Die Gemeinde iſt allerdings das höchſte Gericht in allen ihren Angelegenheiten, geiſtlichen und weltlichen. Auch iſt die Unterſchei⸗ dung zwiſchen der Richterſchaft des göttlichen Wortes und der der Gemeinde wenigſtens nicht nothwendig. Gottes Wort iſt die Norm, nach der die Gemeinde richten ſoll, das Geſetzbuch, nach dem ſie Recht ſprechen ſoll. In dieſem Geſetze ſind alle Fälle in abstracto ſchon entſchieden, inſofern als jeder Fall und jede That verwerflich iſt, die nicht mit dem Geſetze ſtimmt. Aber die Anwendung des Geſetzes auf den einzelnen Fall iſt eigent⸗ lich die Ausübung des Richteramtes, und davon gilt, daß, wo eine Ge⸗ meinde geurtheilt hat, eine eigentliche Appellation an eine höhere Inſtanz auf Erden nicht möglich iſt. Wenn alſo von der Entſcheidung einer Ge⸗ meinde an die Synode appellirt wird, ſo darf das nicht als eine Appellation von einem niederen an einen höheren Gerichtshof, von der Entſcheidung einer unteren an die rechtsgültige Entſcheidung einer höheren Inſtanz an⸗ geſehen werden, ſondern nur als ein Weg, den Rath der Brüder in dieſem Falle einzuholen und anzuhören. Wenn aber nun eine Gemeinde, wo ihr gerathen, wo ihr Vorhalt gethan werden ſoll, ſich für ihre Weigerung auf den Grundſatz beruft, daß die Gemeinde das höchſte Gericht ſei, ſo behauptet ſie damit nicht, ſondern verleugnet ſie ihre Würde als Schweſtergemeinde. Viſitatoren und andere Synodalbeamte ſind nicht Richter, ſondern brüder⸗ liche Berather, die in der Gemeinde, die ſie berathen ſollen, eine Schweſter⸗ gemeinde ſehen, der ſie Liebe ſchuldig ſind. — Eine ſolche Berufsart, die zwar nicht überall, weil ſchon an und für ſich, verwerflich iſt, die aber in der Regel durch hinzutretende Umſtände zu einer ſolchen wird, durch deren Ausübung die Liebe zu Gott oder zum Nächſten oder beides unvermeidlich verletzt wird, iſt auch die eines Schau⸗ ſpielers. Man muß nicht ſagen: In der Reformationszeit hat man ja in Schulen und ſonſt Schauſpiele aufgeführt, und deshalb kann doch das Schauſpiel nicht als ein verwerfliches Ding von den Kindern der Refor⸗ mation verurtheilt werden. Denn mit dem Worte Schauſpiel ſagt man eigentlich noch gar nicht, ob das Ding, womit man es zu thun hat, etwas ſittlich Unanſtößiges und Unanfechtbares, oder etwas ſittlich Aergerliches