# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1898_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodalconferenz von Nord⸗America. 1898. 11 Es iſt ja wahr, das Pathenamt in ſeinem ganzen Umfange iſt nicht noth⸗ wendig, iſt nicht ein göttlich geforderter Umſtand bei einer richtigen, gül⸗ tigen Taufe. Wo eine Taufe in Gegenwart der chriſtlichen Gemeinde voll⸗ zogen wird, braucht man nicht nothwendig Taufzeugen; da ſind Leute genug, die da zugegen waren. Wo ſich nachweiſen läßt, daß eine Taufe Angeſichts einer ganzen chriſtlichen Gemeinde vollzogen worden iſt, iſt zu⸗ gleich nachgewieſen, daß da eine richtige Taufe vollzogen worden iſt. Denn eine rechtſchaffene Gemeinde leidet es eben nicht, daß vor ihren Augen und zu ihren Ohren eine verſtümmelte Taufe, eine Taufe, die keine Taufe wäre, vollzogen wird. Aber wo nun keine andern Zeugen zugegen ſind, auf die man ſich berufen kann, und zwar auch in ſpäteren Jahren mit Recht berufen kann, da ſollen bei einer Taufe Zeugen zugegen ſein. Denn die Taufe ſoll ein Siegel der Gnade Gottes, eine Stütze unſers Glaubens ſein, daß wir wiſſen, ſo gewiß wir getauft ſind, ſind wir Kinder Gottes, hat Gott uns in ſeinen Gnadenbund aufgenommen, den er nie brechen kann; daß wir alſo uns unſerer Taufe tröſten können, wenn alles andere auch weichen mag. Wenn wir wiſſen und uns deß tröſten, daß wir getauft ſind, ſind wir ſelig, hie und in Ewigkeit, ſo gewiß Gott Gott iſt. Soll aber die Taufe ein ſolches Siegel ſein, ſo muß ſie ſelbſt gewiß ſein, ſo darf die Thatſache, daß wir getauft ſind, ſelber nicht im Zweifel ſtehen. Wir können ruhig den Grundſatz befolgen: Eine zweifelhafte Taufe gilt als keine Taufe, das heißt: Wo Zweifel darüber obwaltet, ob ein Menſch überhaupt getauft oder ob er nach Chriſti Einſetzung getauft iſt, ſollen wir ihn anſehen als nicht ge⸗ tauft und ſollen ihn taufen. Die Fälle haben ſich früher mehr zugetragen, daß Kinder getauft wurden durch reiſende geiſtliche Handwerksburſchen, die darauf reiſten, daß es in den neuen Niederlaſſungen Kinder zu taufen gab, die auch tauften, wie man's beſtellte, lutheriſch, reformirt oder im Sinne der achtundvierziger Ungläubigen, die es damals noch häufiger gab, auf Gott, Tugend und Unſterblichkeit, oder auf die stars and stripes, oder worauf man ſonſt getauft haben wollte. Wo ſich nun nicht feſtſtellen läßt, ob die an einem Kinde verrichtete Taufe eine rechte Taufe war, da tauft man und ſtellt ſo die Sache feſt, daß die Perſon getauft ſei. Oder wo man gar weiß: Der dies Kind getauft hat, war ſelbſt ein Leugner der heiligen Dreieinigkeit, und die Gemeinſchaft, der er angehörte, war ſeines Unglaubens, da tauft man, denn da weiß man: Dies Kind iſt nicht ge⸗ tauft. Auch die Fälle haben ſich früher mehr zugetragen, als das heute noch geſchieht. In Deutſchland waren Agenden weit verbreitet, nach denen kein Kind getauft wurde, oder doch höchſt ſelten einmal eins. In der Agende des Probſtes Sintenis, die viel gebraucht wurde, finden ſich fünf⸗ zehn Taufformulare; unter dieſen iſt ein einziges, nach dem getauft wird im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geiſtes, und das iſt das Formular für die Taufe eines unehelich gebornen Kindes. Wo alſo nachweislich nach dieſer Agende getauft worden iſt, taufen wir nicht wie⸗